Corona: Vorarlberg als Schlusslicht

Politik / 06.12.2021 • 22:00 Uhr
Die Entspannung bei den Infektionszahlen kommt erst mit Verzögerung in den Intensivstationen an. <span class="copyright">APA</span>
Die Entspannung bei den Infektionszahlen kommt erst mit Verzögerung in den Intensivstationen an. APA

Österreichweit höchste Inzidenz – trotzdem dürfte der Höhepunkt erreicht sein.

bregenz Der Höhepunkt scheint vorerst erreicht. Vorarlberg ist wieder unter 1000 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche gerutscht. Mit einem Wert von 964 Neuinfektionen liegt das Land österreichweit aber noch immer auf dem letzten Platz. Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher ortet eine Ost-West-Verschiebung. “Wir hinken in Vorarlberg immer sieben bis zehn Tage hinterher.“ Das habe sich bereits bei früheren Wellen gezeigt. Gesundheitsexperte Armin Fidler, der auch der Corona-Kommission angehört, verweist darauf, dass die Pandemie oft unterschiedlich verlaufe – das zeige derzeit auch das Beispiel Deutschland, wo der Süden stärker als der Norden betroffen sei.

Die Spitze der vierten Welle ist laut beiden Experten erreicht. Fidler ist zuversichtlich, dass eine rasche Beruhigung eintritt. „Die effektive Reproduktionszahl ist unter eins gerutscht. Die Zahlen werden also sinken.“ Seit etwa 14 Tagen sei eine Verbesserung spürbar, allerdings nur langsam. Bis sich diese auf den Intensivstationen zeige, dürfte es noch dauern. „Das kommt mit einer Verzögerung von ein bis zwei Wochen“, sagt der Landessanitätsdirektor. Von der Infektion bis zum Spitalsaufenthalt dauert es in der Regel fünf bis sieben Tage. Müssen die Patienten auf die Intensiv, bleiben sie dort für durchschnittlich 18 bis 20 Tage. „Daher dauert es noch, bis sich die Zahlen in den Spitälern wieder normalisieren.“ Tatsächlich ist die Zahl der Krankenhauspatienten über das Wochenende angestiegen. Am Montag wurden 139 Personen stationär betreut, davon 29 auf den Intensivstationen.

Die meisten Infektionen finden im Familien- und Freundeskreis statt, wie Grabher berichtet. Auch in den Schulen zählt das Land einige Fälle. Bei den Sechs- bis 14-Jährigen liegt die Inzidenz aktuell bei 1848. Größere Firmencluster sind Grabher nicht bekannt. Die Nachverfolgung der Fälle wird allerdings immer schwieriger. Bei nur 20 Prozent der Fälle konnte die Quelle geklärt werden. „Wir stellen fest, dass viele gar nicht angerufen werden wollen. Die Telefonisten bekommen teilweise auch schlimme Sachen zu hören.“ Abseits dessen funktioniere die Kontaktverfolgung gut. Man sei zwischenzeitlich unter Druck geraten, mittlerweile gebe es bei den Absonderungsbescheiden aber keine Altlasten mehr.

Die Omikronvariante wurde in Vorarlberg noch nicht gefunden, wenngleich drei von 31 Reiserückkehrern positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Bei vier steht das PCR-Ergebnis noch aus, bei 24 war der Test negativ.

Magdalena Raos, Birgit Entner-Gerhold