Weggefährten über Nehammer: “Die Rolle des Hardliners passt ihm nicht”

Vom Soldat zum Kanzler: Vorarlberger Weggefährten über Nehammer.
Wien Karl Nehammer ist tief in der ÖVP verwurzelt. Als 14-Jähriger verteilte er Flyer für den einstigen ÖVP-Chef Alois Mock. 35 Jahre später steht er selbst an der Spitze. Der einstige Berufssoldat und Kommunikationstrainer erfährt starken Rückhalt in der Partei, vor allem aufgrund seiner bündischen Heimat im ÖAAB. Steil nach oben ging seine politische Karriere ab 2017, als er den Einzug in den Nationalrat schaffte, zum Generalsekretär avancierte und später unter Türkis-Grün zum Innenminister wurde. Zuletzt brachte er die Staatsschutzreform auf Schiene. Im Bereich der Migrationspolitik blieb er hart. Weder die Flüchtlingskrise in den griechischen Lagern noch die Abschiebung gut integrierter Schülerinnen ließen ihn davon abrücken. Große Richtungsänderungen sieht niemand. “Die christlich-sozialen Positionen werden wohl stärker in den Vordergrund rücken”, sagt der Vorarlberger Arbeiterkammerdirektor Rainer Keckeis, der Nehammer gut kennt. “Er hat sozialpolitisches Verständnis. Diese Kompetenz hat Sebastian Kurz komplett gefehlt.” Die Rolle des Hardliners passe dem künftigen Kanzler eigentlich nicht. Das meint auch ÖVP-Landesgeschäftsführer Dietmar Wetz: “Nehammer kann auf Menschen zugehen und zuhören.” Er sei locker und ein Familienmensch. Karlheinz Kopf beschreibt den künftigen Kanzler als verlässlichen Partner. Er sei bodenständig und humorvoll, sagt der Thüringer Bürgermeister Harald Witwer: “Wir haben uns in Vorarlberg köstlich amüsiert, als ich ihn einmal nach Hause chauffiert habe. Sollte er wieder ins Land kommen und einen Chauffeur brauchen, stehe ich bereit.”