Von der Sonnenseite ins Finanzministerium

Magnus Brunner aus Höchst wird neuer österreichischer Finanzminister. Er verlässt die Sonnenseite der Politik.
Bregenz Es gibt Menschen, die mag jeder. Magnus Brunner scheint so ein Mensch zu sein. Egal, wer über ihn spricht, Lob dominiert die Beschreibung des neuen Finanzministers. Ungewöhnlich, wenn man bedenkt, wie lange der 49-Jährige aus Höchst schon in der Politik ist. Sein Karrieresprung ist die logische Konsequenz eines stetigen politischen Aufstiegs. Wer in der ÖVP etwas werden will, war im Idealfall in einem Bund oder an verantwortlicher Stelle bei einem Landeshauptmann. Auf Brunner trifft beides zu: Er entstammt dem Wirtschaftsbund und dem Büro von Alt-Landeshauptmann Herbert Sausgruber.
Eigentlich entstammt Magnus Brunner natürlich seinen Eltern. Er kommt am 6. Mai 1972 in Höchst als Kind einer Buchhändlerfamilie zur Welt. Nach der Matura in der Mehrerau in Bregenz studiert er Rechtswissenschaften in Innsbruck. Er ist 24 Jahre alt, als er seine Dissertation zum Thema „Die Reichweite der ärztlichen Schweigepflicht“ abschließt. Anschließend zieht es ihn als Tennisspieler ans King‘s College nach London. 1999 kehrt er als Trainee in der Industriellenvereinigung (IV) zurück und organisiert die Plattform „Vorarlberg für LH Sausgruber“. Nach der Wahl folgt er Markus Wallner als Sausgrubers Büroleiter nach und wird Höchster Gemeindevertreter. Der damalige Bürgermeister Werner Schneider erinnert sich: „Ich kann nur das Beste über ihn sagen. Er hat mir damals sehr unter die Arme gegriffen. Magnus hat den Draht zu den Leuten nie verloren. Er ist ein ghöriger Vorarlberger. Es tut Wien gut, dass ein Vorarlberger Urgestein in so einer Position ist.“
Tennis, Politik, Symphonie
Brunner ist verheiratet, lebt in Bregenz und hat drei Söhne. Alle Gesprächspartner beschreiben ihn als verbindlich, ruhig, angenehm, ausgleichend. Auch Martin Ohneberg. Der aktuelle IV-Präsident sitzt mit Brunner im Vorstand des Vorarlberger Tennisverbandes und spielte früher mit und gegen ihn. „Magnus war ein Grundlinienspieler und ein Kämpfer. Tennis betreibt er wie alles andere auch. Mit Herz und Emotion, leistungsorientiert und engagiert.”

Brunner zieht es 2002 in den ÖVP-Wirtschaftsbund und wird dort politischer Direktor. Nach einem kurzen Gastspiel bei Illwerke/VKW wird er Vorstand der ÖMAG. 2009 rückt er zudem in den Bundesrat auf. Dort sitzt er mit einer anderen Höchsterin, der FPÖ-Abgeordneten Cornelia Michalke. Man habe gut und über Parteigrenzen hinweg zusammengearbeitet. „Er war ein angenehmer Gesprächspartner“, erzählt Michalke, lacht und fährt fort: „Wenn man es lange genug aushält und keine groben Fehler macht, wird man was.“ ÖVP-Bundesrat Edgar Mayer schwärmt noch heute. Brunner sei ein klar strukturierter Mensch und Experte im Energie- und Finanzsektor. Kollegial, zielstrebig und gut ausgebildet. Und er kenne die Partei.
Im Jahr 2020 wird Brunner Staatssekretär im Klimaschutzministerium. Außerdem führt er die Bregenzer ÖVP und ist Vizepräsident des Vorarlberger Symphonieorchesters (SOV). Sein Präsidiumskollege Wolfgang Burtscher lobt: „Brunner ist in Sitzungen ruhig und bedächtig, überlegt und kühl und kommt rasch auf den Punkt.“

Warum ist Brunner ein Mann, den offenbar jeder mag? „Er ist sehr ausgleichend und diplomatisch“, begründet Ohneberg. „Außerdem stellt sich die Frage, ob man sich als Bundesrat viele Feinde macht. Ich glaube nicht.“ Michael Ritsch, langjähriger politischer Kontrahent, SPÖ-Politiker und Bregenzer Bürgermeister, glaubt: „Er war politisch bisher immer auf der Sonnenseite. Als Bundesrat und Staatsekretär hat er nie Entscheidungen kommentieren müssen, die nicht so schön sind. Als Finanzminister muss er jetzt Flagge zeigen.“
Die Tageszeitung “Presse” fragt am Freitag: “Magnus wer?” Nun ist Magnus Brunner er auch Politikinteressierten außerhalb Wiens bekannt. Darunter werden sich auch Menschen finden, die ihn nicht loben.