Fast Europameister: Drittimpfungen lassen hoffen

Im internationalen Vergleich sind hierzulande schon sehr viele Menschen „geboostert“.
SCHWARZACH „Das ist sehr wichtig“, bestätigen die Gesundheitsexperten Armin Fidler und Thomas Czypionka übereinstimmend, aber unabhängig voneinander im Gespräch mit den VN: In Österreich haben sich schon 1,9 Millionen Menschen eine Auffrischungsimpfung verabreichen lassen. Das entspricht knapp 21 Prozent der Bevölkerung und ist im internationalen Vergleich außergewöhnlich. In Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien oder auch Portugal ist der Anteil nur etwa halb so groß. In der Schweiz ist er noch kleiner.
Österreich hat damit einen entscheidenden Schlüssel in der Hand, besser durch den Winter zu kommen. Deutsche Expertinnen wie die Physikerin Viola Priesemann gehen davon aus, dass Schlimmeres verhindert werden kann, wenn sich täglich ein bis zwei Prozent der Bevölkerung „boostern“, also drittimpfen lassen. Hierzulande ist das schon heute der Fall.

Die Anteile steigen in allen Bundesländern stark an, nur das jeweilige Niveau bleibt unterschiedlich. In der Steiermark waren Anfang dieser Woche 16,6 Prozent erreicht, in Vorarlberg 18,5 Prozent (bzw. 74.389 Frauen und Männer). Burgenland, Tirol und Niederösterreich hatten sich mit mehr als 23 Prozent bereits einem Viertel der Bevölkerung angenähert.
Die Drittimpfung erhöht den Schutz vor einer spürbaren und vor allem auch schweren Erkrankung. „Wir müssen uns nur die Lage in den Intensivstationen anschauen“, erklärt Armin Fidler: „Dort liegen zum überwiegenden Teil Ungeimpfte. Und bei den Geimpften ist es so, dass sie in der Regel bereits eine Vorerkrankung hatten.“

Durch das Aufkommen und eine mögliche Ausbreitung der Virus-Variante Omikron hat sich laut Fidler nichts an der Notwendigkeit einer Impfung geändert. Im Gegenteil: Selbst wenn die Schutzfunktion etwas niedriger sein sollte, wäre sie noch immer sehr hoch. Vor allem aber könnte die Variante ansteckender sein und damit zu noch extremeren Inzidenzwerten führen, als sie derzeit gerade auch in Vorarlberg verzeichnet werden. Dann werde es entscheidend sein, dass ein möglichst geringer Prozentsatz positiv getesteter Menschen eine Spitalsbehandlung brauche.
„Wenn viele Menschen geboostert sind, hilft uns das in der Pandemiebekämpfung“, bestätigt Thomas Czypionka vom „Institut für Höhere Studien“ (IHS). Damit werde auch die Corona-Übertragung gebremst. „Unser Problem sind aber nach wie vor die Erstimpfungen.“ Bei ihnen gehe zu wenig weiter.
„Kommunikativ war die Ankündigung der Impfpflicht nicht unbedingt ein Vorteil“, verweist Czypionka auf die Tatsache, dass sich in den vergangenen Tagen noch weniger Leute eine erste Dosis verabreichen ließen als davor. Bei den Ungeimpften könne man nicht auf die Einführung der Pflicht im Februar warten: Bis die Leute dann ausreichend geschützt wären, sei auch schon eine fünfte Welle durchs Land gezogen. Gefragt seien Initiativen, wie die persönlichen Anschreiben im Vorarlberg, schon heute.