Neuinfektionen: Die Spitze ist langsam erreicht

Infektionskurve flacht ab. Vorarlberg hinkt ein paar Tage hinterher. Impfquote ist nicht hoch genug.
Wien Es ist eine gute Nachricht mitten in einer bedrohlichen Situation. Bei den Neuinfektionen scheint die Spitze dieses Wochenende erreicht zu sein. „Vorarlberg hinkt ein paar Tagen nach“, erklärt Gesundheitsexperte Armin Fidler, der auch Mitglied der Coronakommission ist. Diese sieht zwar weithin ein sehr hohes Risiko in ganz Österreich. Dennoch erkennt sie auch, dass die Zahl der Neuinfektionen langsam abflacht.
Das Konsortium, welches für das Gesundheitsministerium die Prognosen berechnet, geht davon aus, dass der Wert der neuen Fälle pro 100.000 Einwohner und Woche in 14 Tagen von derzeit 1051 auf 950 sinken könnte. Die geringste Inzidenz wird in Wien erwartet, die höchste in Vorarlberg. Das Land wird die 1000er-Marke in zwei Wochen aber noch nicht unterschritten haben. „Im Westen ist die Sache ein bisschen zeitverzögert. Das liegt an den Entwicklungen in der Bodenseeregion“, erklärt Fidler. Hier ziehen die Zahlen erst an. Im Osten sei hingegen eine klare Spitze und ein Abwärtstrend erkennbar.

Maßnahmen wirken
Dass die Kurve in Österreich langsam wieder abzuflachen scheint, erklärt die Coronakommission in ihrem aktuellen Bericht unter anderem mit den Maßnahmen der Bundesregierung: 3G am Arbeitsplatz, 2G im Freizeitbereich, Lockdown für Ungeimpfte, Sicherheitsvorkehrungen an den Schulen,… Letztere zu schließen, müsse die Ultima Ratio bleiben, heißt es in den Empfehlungen der Kommission. Laut Daten der AGES sind aktuell 7,1 Prozent der neuen Fälle auf den Bildungsbereich zurückzuführen, über 85 Prozent auf den privaten Haushalt.

Doch nicht nur die Maßnahmen scheinen Wirkung zu zeigen. Die Coronokommission ortet ein erhöhtes Risikobewusstsein in der Bevölkerung. Zudem trete dank zunehmender Impfungen und Genesungen ein lokaler Sättigungseffekt ein. Der aktuelle Lockdown für alle zeige noch nicht seine volle Wirksamkeit. Diese komme zeitverzögert.

So ist es auch mit der Entlastung der Spitäler. Auch wenn die Dynamik im Fallgeschehen rückläufig ist, sei mit weiteren schweren Verläufen in den Krankenhäusern zu rechnen. Die neuen Fälle schlagen dort erst später auf. In Vorarlberg, Oberösterreich, Kärnten und Salzburg wurde die systemkritische Belastungsgrenze bereits überschritten. Das ist der Fall, wenn mehr als 33 Prozent der Intensivbetten für Covid19-Patienten gebraucht werden. In Vorarlberg sind des aktuell 35 Prozent.

“Versorgung bedroht”
„Die medizinische Versorgung der österreichischen Bevölkerung ist in weiten Teilen des Landes ernstzunehmend bedroht“, schreibt die Coronakommission. Sie befürwortet die aktuellen Maßnahmen und empfiehlt, rasch persönliche Einladungen mit Impfterminen zu versenden. Drittimpfungen seien besonders wichtig, um die aktuelle Welle zu dämpfen. Unklar bleibt, wie lange die Zahlen abflachen. So lehrten die vergangenen Wellen, dass die nächste bereits anklopft. Um diese flach zu halten, hilft eine möglichst hohe Impfquote. Noch sei sie zu gering. Eine allgemeine Impfpflicht halten die Experten daher für den richtigen Schritt.