Ringen um härteren Kurs gegen Schleuser

Politik / 25.11.2021 • 22:39 Uhr
Gräber auf einem Friedhof in Calais erinnern an die Menschen, die beim Versuch, den Ärmelkanal zu überqueren, verstorben sind. AP
Gräber auf einem Friedhof in Calais erinnern an die Menschen, die beim Versuch, den Ärmelkanal zu überqueren, verstorben sind. AP

Entsetzen in Großbritannien und Frankreich nach Bootstragödie.

london, paris Ungeachtet der Tragödie im Ärmelkanal mit mindestens 27 Toten haben sich erneut viele Menschen illegal auf den gefährlichen Weg nach Großbritannien gemacht. An der englischen Küste kamen am Donnerstag wieder Migranten auf kleinen Booten an. Die britische Regierung rief die französischen Behörden zu mehr Anstrengungen auf, die Überfahrten zu verhindern. London warb mit Nachdruck für gemeinsame Patrouillen. Frankreich mahnte zur Zusammenarbeit.

Am Mittwoch war ein Boot im Ärmelkanal vor der französischen Stadt Calais gekentert. Dabei starben mindestens 27 Menschen, darunter Frauen und Kinder. Die französischen Behörden nahmen fünf mutmaßliche Menschenschmuggler fest. 

Frankreich hat nun die für Migration zuständigen Minister mehrerer europäischer Länder ins nordfranzösische Calais eingeladen. Am Sonntag sollen dabei Vertreter Deutschlands, Belgiens, der Niederlande, Großbritanniens sowie der EU zusammenkommen, hieß es vom französischen Innenministerium. Paris will  demnach die Stärkung der polizeilichen, gerichtlichen und humanitären Zusammenarbeit diskutieren, um besser gegen die Schleppernetzwerke vorzugehen. Eine Antwort auf europäischer Ebene sei notwendig, um dauerhafte Lösungen zu finden.

Der britische Premier Boris Johnson wiederholte hingegen den Vorwurf, Frankreich tue zu wenig, um die Überfahrten zu verhindern. Sein Sprecher wies auf die umgerechnet 62 Millionen Euro hin, mit denen Großbritannien die französischen Kontrollen am Ärmelkanal unterstützt. Das Geld sei dafür gedacht, Migranten aufzuhalten, sagte er. In diesem Jahr sind rund 26.000 Migranten an der englischen Küste angekommen – drei Mal so viele wie im gesamten Vorjahr. „Wir sind bereit, Unterstützung vor Ort zu bieten“, sagte der britische Innenstaatssekretär Kevin Foster der BBC. Französische Politiker lehnten die britische Forderung ab, eigene Beamte nach Frankreich zu schicken. 

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Johnson hatten am Mittwoch über Schritte zur Verhinderung weiterer solcher Dramen beraten. „Frankreich wird nicht zulassen, dass der Ärmelkanal zu einem Friedhof wird“, sagte Macron.

„Frankreich wird nicht zulassen, dass der Ärmelkanal zu einem Friedhof wird.“