Coronamythen: Ängste im Alpenraum

Experte Blume sieht Anfälligkeiten für Verschwörungsglauben.
Schwarzach Im deutschsprachigen Raum ist die Quote der Ungeimpften besonders hoch. Bis zu einem Viertel der über Zwölfjährigen ist in Österreich, der Schweiz und Liechtenstein noch nicht geimpft. Warum? Religions- und Politikwissenschaftler Michael Blume versucht sich dieser Frage mit der “Alpenraumnedienthese” anzunähern. Die Menschen im Alpenraum seien schon immer besonders kritisch gegenüber staatlichen Obrigkeiten gewesen, das gelte sowohl für Vorarlberg genauso wie für die Urkantone in der Schweiz und die deutschen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg, hält Blume bei Vorarlberg LIVE fest. Vorschriften von Bundesseite lösten immer wieder eine Abwehrhaltung aus. Und manchmal kippe das besonders starke Engagement für Demokratie und Föderalismus eben in Verschwörungsmythen und Antisemitismus, wenngleich die allermeisten Alpenraumbewohner der Wissenschaft grundsätzlich offen und vernünftig begegneten. Daneben gebe es aber auch andere Strömungen: esoterische oder Lebensreform- sowie fundamentalistische Bewegungen. Blume möchte nicht alle Kritiker in einen Topf werfen. Vielmehr ortet er beim Verschwörungsglauben mehrere Stufen. Die erste sei, beängstigende Themen völlig abzublocken. In der zweiten Stufe würden Ängste weggeschoben und Verschwörungsmythen – Pharmalobby, Bill Gates, manipuliertes Wetter, usw. – geglaubt. Stufe drei bringe Antisemitismus und den Vorwurf einer Weltverschwörung der Juden. Bei Stufe vier beginne die Suche nach einem Anführer.
Im Alpenraum seien die meisten nicht verschwörungsgläubig, zahlreiche Menschen befänden sich aber in Stufe eins und zwei. Leider hingen einige Tausend auch in den höheren Stufen fest. Bildung und Fakten schützten nicht ganz davor. Es komme auch auf Herz und Charakter an, und auf die Frage: Wie gehe ich mit Ängsten um?