Das kostet der Lockdown: Millionenschaden für die Vorarlberger Wirtschaft

Politik / 22.11.2021 • 13:34 Uhr
Das kostet der Lockdown: Millionenschaden für die Vorarlberger Wirtschaft
Seit Montag befindet sich Österreich wieder im Lockdown. VN

Pro Tag bricht die Wirtschaftsleistung um mehrere Millionen Euro ein, berechnet das Momentum Institut. Hier gibt’s die genauen Zahlen.

Wien Niemand wollte diesen Lockdown. Nun kommt er doch, da die vierte Corona-Welle noch ungebrochen über Österreich rollt. Seit rund zwei Wochen infizieren sich täglich zwischen 10.000 und 15.000 Menschen mit dem Virus. Die Spitäler geraten an ihre Belastungsgrenzen, in Salzburg wurde vorsorglich Triage-Team gegründet. Die Politik hat sich angesichts der dramatischen Entwicklungen ihren Handlungsspielraum vertan. Am Ende fiel die Entscheidung auf einen vierten Lockdown für alle. Dieser kommt teuer.

117 Millionen Euro pro Tag

Während der Lockdown für Ungeimpfte 41 Millionen Euro pro Tag kostet, sind es mit dem Lockdown für alle nun 117 Millionen Euro täglich, wie das Momentum Institut berechnet. Dass nun für 20 Tage nahezu alles in Österreich schließen muss, verursacht also einen Verlust von 2,3 Milliarden Euro der Wirtschaftsleistung, erklärt der Chefökonomen des Instituts, Oliver Picek. Die Summe basiert auf Durchschnittswerten. Das heißt, für den Handel wird es Richtung Weihnachten noch etwas teurer als mit den verfügbaren Daten berechnet. „Für den Tourismus im Westen sind die letzten Dezemberwochen wichtig“, sagt Picek.

Das kostet der Lockdown: Millionenschaden für die Vorarlberger Wirtschaft

Tourismusländer am stärksten betroffen

Die Kosten verteilen sich ungleichmäßig auf Branchen und Bundesländer. „Für Vorarlberg vorteilhaft ist, dass es neben einem Tourismusland auch ein Industrieland ist“, hält der Ökonom fest. Die Industrie sei in den vergangenen Monaten sehr gut gelaufen und spüre auch diesen Lockdown im Vergleich zu anderen Branchen weniger. Am stärksten sind Beherbergung und Gastronomie betroffen, die täglich knapp 46 Millionen Euro verlieren. Hier bremsen auch die Reisewarnungen auf Grund der hohen Infektionszahlen die Entwicklung. Der Dienstleistungssektor verliert 21,6 Millionen Euro täglich und der Handel 11,8 Millionen Euro.

Das kostet der Lockdown: Millionenschaden für die Vorarlberger Wirtschaft

Je nach Gewicht der jeweiligen Branchen sind die Bundesländer unterschiedlich betroffen. Das Tourismusland Tirol büßt laut Momentum Institut am meisten ein. Es verliert im Lockdown 17 Prozent seiner täglichen Wirtschaftsleistung. Salzburg verzeichnet ein Minus von 15 Prozent, Vorarlberg und Kärnten teilen sich mit elf Prozent den dritten Platz. Oberösterreich kommt mit einem Verlust von acht Prozent am besten davon.

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Minus 5,9 Millionen Euro in Vorarlberg

In absoluten Zahlen verlieren die Länder zwischen 26,3 Millionen Euro (Wien) und 2,6 Millionen Euro (Burgenland) täglich. Vorarlberg büßt 5,9 Millionen ein. Knapp die Hälfte davon (2,9 Millionen) gehen auf Verluste im Bereich Beherbergung/Tourismus zurück. Der Dienstleistungssektor verliert 800.000 Euro täglich, im Verkehrsbereich wird ein Minus von 600.000 Euro erwartet. Im Handel sind es jeden Tag 500.000 Euro, die restlichen 1,1 Millionen Euro entfallen auf Industrie und Sonstiges. Bei einem Lockdown von 20 Tagen summiert sich der Schaden alleine in Vorarlberg auf 118 Millionen Euro.

„Bei einem raschen Impffortschritt besteht diesmal noch Hoffnung auf eine zumindest teilweise stattfindende Wintersaison", sagt Oliver Picek, Chefökonom vom Momentum Institut.
„Bei einem raschen Impffortschritt besteht diesmal noch Hoffnung auf eine zumindest teilweise stattfindende Wintersaison", sagt Oliver Picek, Chefökonom vom Momentum Institut.

Auch gute Nachrichten

Doch es gibt auch eine gute Nachricht, wie Ökonom Oliver Picek erklärt: „Sowohl 2020 als auch 2021 haben wir nach den Lockdowns eine rasche Rückkehr zur Wirtschaftsleistung vor der Krise gesehen. Im Sommer war wieder alles normal.“ Das werde vermutlich wieder ähnlich sein. „Bei einem raschen Impffortschritt besteht diesmal noch Hoffnung auf eine zumindest teilweise stattfindende Wintersaison.“ Positiv sei auch, dass die Hilfszahlungen des Staates eingespielt seien, wenngleich sie für einzelne nicht ausreichen würden. „Denn nicht alle Hilfen gelten tatsächlich entstandene Kosten ab, manche orientieren sich nur pauschal an Umsatzausfällen. Da verlieren einige, andere profitieren davon, je nachdem, wie weit ein Betrieb Fixkosten drücken kann, oder ob der Wareneinkauf schon erfolgt ist.“