Kann ein Lockdown die Wintersaison retten?

Politik / 18.11.2021 • 05:00 Uhr
Kann ein Lockdown die Wintersaison retten?
Die Wintertouristiker blicken bang auf die Infektionszahlen und die Reaktion der Politiker. VN/Sams

Das antworten Touristiker und Experten auf diese Frage.

Bregenz Die Einschränkungen für Ungeimpfte zeigen zu wenig Wirkung. Zwar wächst die Zahl der Neuinfektionen weniger sprunghaft, allerdings bleiben es über 10.000 Fälle pro Tag. Das Bremspotenzial der 2G-Regel ist unzureichend, lautet die Zwischenbilanz jener Experten, die Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein wöchentlich Prognosen liefern. Sie befürchten, dass die intensivmedizinischen Kapazitäten in allen Bundesländern bald nicht mehr reichen.

Infolge dessen mehren sich die Stimmen für einen erneuten Lockdown. Roland Frühstück, ÖVP-Klubobmann im Vorarlberger Landtag, würde – könnte er persönlich entscheiden – kurz und knackig zusperren. Ähnliches sagt Thomas Hopfner (SPÖ). Touristiker Christian Schützinger (Vorarlberg Tourismus) sieht im Lockdown einen Ausweg zur Rettung der Wintersaison. Der Lecher Tourismusdirektor Hermann Fercher ist dagegen. “Wir haben uns schon im vergangenen Winter von einem zum nächsten Lockdown gehangelt, bis die ganze Saison vorbei war.” Hotelier Markus Kegele stimmt zu. Der Lockdown wäre nicht nachhaltig, warnt der Spartenobmann in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. 

Hoffen auf Wirtschaftshilfen

Oliver Fritz, Experte im Wirtschaftsforschungsinstituts, erklärt hingegen, dass ein kompletter Lockdown den Schaden minimieren könnte. Die Saison laufe normalerweise erst ab Weihnachten richtig an. “Wenn man jetzt handelt, kann man noch einen Teil des Winters retten.” Vorarlberg-Tourismus-Geschäftsführer Schützinger hält diese Überlegung für legitim. Gleichzeitig betont er, dass der Tourismusbetrieb bereits laufe. Ein Lockdown wäre daher schmerzlich, sagt er. Schützinger appelliert an die Entscheidungsträger, schon jetzt Wirtschaftshilfen vorzubereiten, sodass sie im Fall des Falles auch schnell reagieren könnten.

Soweit soll es laut Spartenobmann Kegele gar nicht kommen. “Der Tourismus ist die sicherste Branche überhaupt.” Die Vorarlberger Modellregion im März sei der beste Beweis dafür. Die Branche arbeite unter strengen Auflagen, die Mitarbeiter müssten sich an die 3G-Regel halten, die Gäste genesen oder geimpft sein. Tourismusdirektor Fercher nimmt sich die Schweiz zum Vorbild. Sie habe im vergangenen Jahr bewiesen, dass es auch anders funktioniere. “Wir brauchen die Saison, zumindest mit einer 50-prozentige Auslastung, damit wir einigermaßen finanziell über die Runden kommen.” Die Buchungslage für Weihnachten bezeichnet Fercher als gut. Wenn storniert würde, dann eher kurzfristig. Ähnliches berichtet Kegele: “Der erwachsene Gast bucht.” Familien mit Kindern seien aufgrund der deutschen Quarantänebestimmungen eher zurückhaltend.

Laut Schützinger ist die Lage dramatischer. Die Buchungsplattformen hätten bis vor kurzem mehr Buchungen als Stornos angezeigt: “Jetzt ist es so, dass die Stornos überwiegen.”