Corona: 1000er-Marke durchbrochen, aber kein Vergleich zum Vorjahr

Politik / 18.11.2021 • 04:00 Uhr
Corona: 1000er-Marke durchbrochen, aber kein Vergleich zum Vorjahr
850 betrug die Inzidenz am 13. November 2020 in Vorarlberg. Danach ging sie zurück. Nicht zufällig: Zwei Wochen davor kam es zum Lockdown. VN

Mehr Neuinfektionen, weniger Spitalspatienten und schwer abschätzbare Entwicklungen.

Schwarzach Vorarlberg zählt zu den Coronahotspots: Im Bodenseeraum gibt es keine Region mit so vielen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche.

Auf 1059 belief sich diese Inzidenz am Mittwoch. Das entspricht rund einem Prozent der Bevölkerung. In der gesamten Schweiz gibt es keinen Kanton mit einem so hohen Wert, in Österreich nur zwei Bundesländer (OÖ und Salzburg) und in ganz Deutschland gerade einmal neun von Hunderten Kreisen mit einer höheren Inzidenz. Der benachbarte Landkreis Oberallgäu zählt nicht mehr dazu. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche ist dort zum dritten Mal in Folge gesunken und beläuft sich nunmehr auf 864.

Das entspricht etwa dem Niveau, welches das bestätigte Infektionsgeschehen in Vorarlberg am Höhepunkt der vierten Welle vor einem Jahr erreicht hat. 850 betrug die Inzidenz am 13. November 2020. Danach ging sie zurück. Nicht zufällig: Zwei Wochen davor kam es zum Lockdown. Mit üblicher Verzögerung wurden auch immer weniger Neuinfektionen bemerkt.

Corona: 1000er-Marke durchbrochen, aber kein Vergleich zum Vorjahr

Heuer ist ein solcher Effekt bisher ausgeblieben: Der Lockdown für Ungeimpfte und die 3G-Regel am Arbeitsplatz bestehen noch nicht lange genug oder haben zu wenig gebracht. Glück im Unglück: Es gibt deutlicher weniger Spitalspatienten als vor einem Jahr. Am Mittwoch handelte es sich um 94, davon 16 auf der Intensivstation. Zwölf Monate zuvor waren es mit 192 beziehungsweise 39 mehr als doppelt so viele. Allerdings: Nach der Inzidenz gingen damals ab 19. November auch diese Zahlen zurück. Derzeit ist eine solche Wende nicht in Sicht.

Ansteckendere Variante

„Aus epidemiologischer Sicht muss man einen harten Lockdown machen“, sagt der Gesundheitsexperte Armin Fidler im VN-Gespräch. Für die politische Entscheidung seien aber auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Schäden, die damit einhergehen würden, relevant. Umso schwerer wiege, dass es schier unmöglich sei abzuschätzen, wann die Spitäler so ausgelastet sein könnten, dass ein solcher Schritt unumgänglich ist.

 „Aus epidemiologischer Sicht muss man einen harten Lockdown machen“, sagt der Gesundheitsexperte Armin Fidler im VN-Gespräch.
„Aus epidemiologischer Sicht muss man einen harten Lockdown machen“, sagt der Gesundheitsexperte Armin Fidler im VN-Gespräch.

Vergleiche mit dem Vorjahr seien nicht geeignet, so Fidler: Einerseits gibt es eine ansteckendere Virusvariante (Delta). Andererseits sind zwar viele Menschen geimpft, der Schutz lasse jedoch nach („Umso wichtiger ist der Drittstich“). Unterm Strich führe all das zu neuen Rahmenbedingungen. JOH