Peter Schröder

Kommentar

Peter Schröder

Problem-Verdrängung

Politik / 03.11.2021 • 08:00 Uhr

In Rom diskutierten die Staats- und Regierungschefs von rund zwei Dutzend Staaten über die Lösung drängender Wirtschafts-, Finanz- und Umweltprobleme in der Welt.

Wobei schon erwartungsgemäß nichts Verbindliches vereinbart wurde. Und bis Ende nächster  Woche reden dieselben Bremser mit 132 weiteren Kollegen und Kolleginnen der Weltgemeinschaft in Glasgow über die Rettung der Menschheit. Sprich: den Klimawandel mit all seinen verheerenden Folgen von Umweltverseuchung, steigenden Meeresspiegeln, Versteppung halber Erdteile, Unterbrechung von Nahrungsketten, Verteilungskriegen und anderen Untergangsszenarien.

Was beim Palaver im schottischen Hochland herauskommt, wird mit einiger Sicherheit wieder viel Kleingedrucktes und juristisch klingendes Kauderwelsch mit Absichtserklärungen sowie unverbindlichen Versprechungen mit jeder Menge von Rückzugsmöglichkeiten sein. Wie schon beim 2016 in Kraft getretenen Pariser UN-Klimaschutzabkommen, von dem sich der eine oder andere Signatarstaat anschließend verabschiedete.

Beim laufenden Gipfelsturm ins Schimärenland des Monsters von Loch Ness sind zudem die Präsidenten von zwei Ländern, bei denen zu Hause fast die Hälfte des gesamten lebensfeindlichen Umweltdrecks der Welt in die Luft geblasen wird, nicht einmal dabei: Die Herrscher der Volksrepublik China und Russlands schickten ein verbales Attest über Corona-Infizierung.

Die Herrscher der Volksrepublik China und Russlands schickten ein verbales Attest über Corona-Infizierung.

Und weil fast die Hälfte der Glasgow-Reisenden keine lupenreine Demokraten, sondern ausgemachte Diktatoren, Autokraten und andere Anti-Demokraten sind, wird  programmgemäß auch nicht über fortdauernde Verstöße gegen unverzichtbare Freiheitsrechte der Menschheit geredet. Nicht über Polen und Ungarn mit deren Abschaffung von Justiz-Unabhängigkeit und der Missachtung der Pressefreiheit. Nicht über den gegenwärtigen Militärputsch im Sudan. Nicht über widerwärtige Menschenrechtsverletzungen in Belarus, China, Russland, der Türkei, Myanmar, zahlreichen arabischen Staaten und in anderen Ländern. Auch nicht über russische Wahlbeeinflussungen in den USA.

Selbst auf eine für die gesamte Menschheit bekömmliche und viele Menschenleben rettende Lösung des Problems der Unterversorgung “armer” Staaten mit Corona-Impfstoffen werden wir wohl weiter warten müssen. Fazit: Wären die Diskutanten zu Hause geblieben, hätten sie zumindest viel Umweltdreck vermieden.