Mehr Taten statt Worte

Klimagipfel: Auch Vorarlberger Aktivisten drängen zum Handeln.
GLASGOW, BREGENZ An drastischen Appellen mangelt es beim UN-Klimagipfel im schottischen Glasgow nicht. Der britische Premierminister Boris Johnson sprach von einer Bombe, die entschärft werden müsste, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres warnte davor, dass die Welt sich ihr eigenes Grab schaufele. US-Präsident Joe Biden forderte: „Glasgow muss der Startschuss für ein Jahrzehnt des Ehrgeizes und der Entschlossenheit sein.“ Zwei Wochen lang beraten die Regierungsvertreter aus rund 200 Ländern über die Frage, wie die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß eingedämmt werden kann.
Vage Pläne
Vor sechs Jahren hatte sich die Staatengemeinschaft in Paris darauf geeinigt, die Erwärmung möglichst auf maximal zwei Grad, besser 1,5 Grad zu begrenzen. Bislang reichen die Pläne dazu aber nicht aus. Erst unmittelbar vor dem Gipfel von Glasgow erklärte die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Rom, daran zu arbeiten, die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Wie das geschehen soll, ist nicht klar. Auch die zuletzt angekündigten Pläne zum Stopp der Entwaldung bis 2030 wurden von Experten teilweise mit Skepsis aufgenommen. Eine ähnliche Erklärung 2014 habe sich als vollkommen wirkungslos erwiesen, sagte etwa der Klima- und Waldexperte Simon Lewis vom University College London zur BBC.
Auch Aktivisten und Umweltorganisationen orten Tatenlosigkeit. Volker Hollenstein, politischer Leiter von WWF Österreich fordert: „Die Staats- und Regierungschefs müssen den Ernst der Lage begreifen und die Klimakrise als das behandeln, was sie ist: ein globaler Notfall.“ Zu oft käme es vor, dass sich die Politik nach der Heimreise von Klimakonferenzen nicht mehr an eigene Zusagen erinnern könne, kritisiert der gebürtige Vorarlberger. Wer sich also zum Stopp der Entwaldung bekenne, müsse auch entsprechende Gesetze und Kontrollen beschließen.
Ähnlich sieht es Johannes Hartmann von Fridays for Future Vorarlberg: „Es muss jetzt darum gehen, die verbindliche Umsetzung der getroffenen Versprechen sicherzustellen. Es braucht klare Maßnahmen und einen Plan, mehr leere Versprechen können wir uns nicht leisten“, sagt Hartmann. „Dennoch bin ich der Überzeugung, dass die anwesenden Staaten richtungsweisende Entscheidungen treffen können, die einen Kurswechsel für die weltweite Klimapolitik bedeuten.“
Österreich müsse aus der Sicht von WWF-Experte Hollenstein mehr tun. „Wir sehen uns gerne als Vorreiter, stoßen aber immer noch annähernd gleich viele Emissionen aus wie 1990.“ Beim Energiesparen gebe es kaum Fortschritte, die Bodenversiegelung gehe weiter; jedes Jahr würden bis zu 4,7 Milliarden Euro in umweltschädliche Subventionen fließen. „So gesehen, wäre schon viel gewonnen, wenn die Politik endlich damit aufhören würde, das Falsche zu tun.“ VN-RAM, MIH
„Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Politik aufhören würde, das Falsche zu tun.“
„Es braucht Maßnahmen und einen Plan, leere Versprechen können wir uns nicht leisten.“

