ORF-Korrespondent Tim Cupal: Zeitenwende für ein Land voller Widersprüche

Politik / 20.10.2021 • 21:30 Uhr
ORF-Korrespondent Tim Cupal: Zeitenwende für ein Land voller Widersprüche
Er erforsche Israel noch immer, sagt Cupal. Es sei ein Land der Gegensätze.

Der Leiter des Israel-Büros berichtet von Konflikt und neuen Zeiten.

Schwarzach “Ich erforsche mein Israel immer noch”, sagt ORF-Korrespondent Tim Cupal im Studio von Vorarlberg Live. Er erzählt von einem Land voller Widersprüche, das ihm jeden Tag neue Geschichten, Menschen, Gespräche und Erkenntnisse bringe. Seit Juli 2019 leitet Cupal das ORF-Büro in Tel Aviv. Vor ihm war Ben Segenreich am Werk. 

Der 50-Jährige berichtet von dem ungelösten Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis. Letztere hätten sich zu einem gewissen Grad daran gewöhnt. Eine Alarm-App warne sie, wenn sie Schutz suchen müssten: “Das ist Normalität.” Gleichzeitig sei es für Palästinenser wie Israelis so, dass sie sich als Opfer sehen und das Leid der anderen nicht mehr wahrnehmen können.

Zwischen Konflikt und politsicher Veränderung. Israel im Wandel. <span class="copyright">AFP</span>
Zwischen Konflikt und politsicher Veränderung. Israel im Wandel. AFP

Im Frühjahr entbrannte der bewaffnete Konflikt erneut. Zahlreiche Menschen starben. Nach der Waffenruhe habe ihn erstaunt, wie schnell wieder Normalität einkehrte, sagt Cupal. Er selbst konnte unter anderem auch aus Gaza berichten. Anderen Journalistenkollegen habe die Terrororganisation Hamas hingegen den Zutritt verwehrt. “Auch ich habe dieses Mal fünf Stunden an der Grenze gewartet”, möglicherweise infolge der Solidaritätsbekundungen der österreichischen Bundesregierung für Israel.

Israel bietet Europa bei der Pandemiebekämpfung einen Blick in die Zukunft. <span class="copyright">AFP</span><br> 
Israel bietet Europa bei der Pandemiebekämpfung einen Blick in die Zukunft. AFP
 

Der ORF-Korrespondent spricht außerdem von einer veränderten Stimmung im Land. Die neue Regierung wolle den Konflikt kleinschrumpfen und habe sich dazu bekannt, die Lebensverhältnisse im Westjordanland zu verbessen. Gleichzeitig lehne sie Friedensverhandlungen ab. Die Abraham-Verträge mit den Golfstaaten, die unter der Ära von US-Präsident Donald Trump unterzeichnet worden sind, hätten ebenso zu einem Zeitenwende geführt. Zuvor wäre Frieden mit Israel stets an eine Lösung der Palästinenserfrage geknüpft worden. “Nun führt der Fifa-Präsident Gespräche, ob Israel gemeinsam mit den Golfstaaten die Fußball-WM austragen könnte. Das wäre vor kurzem undenkbar gewesen.”

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