Vorarlbergerin in Australien: “Wie in einem goldenen Käfig”

Strenge Zero Covid-Politik: Conny Douglas hat ihre Eltern Ende 2019 das letzte Mal gesehen.
PERTH Weihnachten 2019. So lange ist her, dass Conny Douglas in Vorarlberg war. Die 33-Jährige, die ursprünglich aus Dornbirn kommt, wohnt mit ihrer Familie in der westaustralischen Metropole Perth. Wegen der strengen australischen Null Covid-Politik kann sie seit fast zwei Jahren nicht mehr in die frühere Heimat reisen. Auch ihre Dornbirner Eltern dürfen sie nicht mehr besuchen, haben Enkel Liam noch nicht einmal persönlich, sondern nur über Video-Chat kennengelernt. Zwar gebe es in Westaustralien keine Einschränkungen, das Leben gehe normal weiter, sagt Douglas. Der Preis sind aber geschlossene Grenzen, auch innerhalb des Landes. „Irgendwie kommt es mir fast so vor, als würde man in einem goldenen Käfig sitzen.“
Seit etwa zwölf Jahren lebt Douglas in Australien. Mit ihrem Mann, einem gebürtigen Australier, wohnte sie zwischendurch auch ein Jahr in Innsbruck. Letztendlich zog es das Paar aber wieder nach „Down Under“. Sie kauften ein Haus, bauten sich ein gemeinsames Leben auf. Tochter Hayley ist drei, Sohn Liam sechs Monate alt. Der jungen Familie gelang es gut, den Kontakt zur Vorarlberger Verwandtschaft zu halten. „Meine Eltern und wir haben uns abgewechselt: Etwa alle sechs Monate sahen wir uns, entweder in Vorarlberg oder in Australien.“ Ihr sei immer wichtig gewesen, im Notfall rasch zurückreisen zu können. „Du denkst dir immer: Ich bin nur 20 Stunden Flugzeit entfernt.“ Doch dann kam Corona.
Nur wenige Ausnahmen
Ausnahmen vom strengen australischen Reiseverbot gibt es wenige. Darunter fallen australische Staatsbürger, Daueraufenthaltsberechtigte sowie deren Familienangehörige. Eltern oder Großeltern zählen nicht dazu. „Ich habe von Menschen gehört, die schwer krank sind und trotzdem keine Ausnahmebewilligung erhalten“, erzählt Douglas. Und selbst wer das bewerkstelligen kann, steht vor Hindernissen. Nicht nur, dass in Australien eine zweiwöchige, kostenpflichtige Hotelquarantäne absolviert werden muss. „Es ist sehr schwierig, überhaupt einen Flug zu bekommen. Die Flüge, die noch stattfinden, sind sehr teuer.“ Wer ausreisen darf, müsse mindestens drei Monate im Ausland bleiben – für die meisten Berufstätigen ein Ding der Unmöglichkeit.
Im Unterschied zu Sydney oder Melbourne, die sich schon sehr lange im Lockdown befinden, blieb das Leben für die Menschen in Perth weitgehend normal. Nur kurzzeitig gab es strenge Einschränkungen, nachdem einige wenige Fälle entdeckt wurden. Westaustralien hat die Pandemie gut im Griff. Großes Problem ist die niedrige Impfquote, wie Douglas schildert. „Es gibt wenig Druck, sich überhaupt impfen zu lassen.“
Australiens Premierminister Scott Morrison stellte zuletzt in Aussicht, die internationalen Grenzen im November für vollständig geimpfte Staatsbürger und Menschen mit Wohnsitz zu öffnen, Quarantäneregeln sollen gelockert werden. Der Hintergrund: In den meisten Regionen dürfte dann eine Impfquote von 80 Prozent erreicht sein. In Westaustralien liegt dieses Ziel noch in weiter Ferne. Rund 51 Prozent der Bevölkerung ab 16 ist vollständig geimpft. Eine längere Abschottung als andere Landesteile ist also wahrscheinlich. „Dass Sydney aufmachen will, sind aber schon einmal gute Nachrichten“, sagt Douglas. Sie vermutet, dass sie kommendes Jahr wieder nach Vorarlberg reisen kann. Die Ungewissheit bleibt. „Einen Flug traue ich mich noch sicher nicht zu buchen.“