Corona-Lage an den Schulen: Mit kalter Jahreszeit kommt die Ungewissheit

Weitere Entwicklung für Experten mit Fragezeichen behaftet.
bregenz, wien „Wir wissen nicht genau, wie es weitergeht“, sagt Gesundheitsexperte Armin Fidler zum aktuellen Infektionsgeschehen an den Schulen. In der gesamten Gesellschaft habe es sich nach einem kurzen Anstieg – wohl wegen dem Schulbeginn und Reiserückkehrern – mehr oder weniger abgeflacht. Von Entwarnung könne mit Blick auf die Impfquote von rund 60 Prozent aber keine Rede sein. Auch der Infektiologe Herwig Kollaritsch, Mitglied des Nationalen Impfgremiums, gibt zu bedenken: „Beim Impffortschritt sind wir noch nicht ganz dort, wo wir eine stabile epidemiologische Lage erwarten können.“ Zwar sei die ältere Bevölkerung in Österreich schon gut durchgeimpft. Bei den Jüngeren sei das aber noch nicht der Fall. „Da klaffen noch Lücken.” Vieles hänge davon ab, wie sich die nächsten Wochen entwickeln.
Nach Daten des E-Impfpasses sind nur rund 49 Prozent der Menschen zwischen zwölf und 24 Jahren in Österreich vollständig geimpft. Zum Vergleich: Bei den 65- bis 74-Jährigen liegt der Wert bei rund 83 Prozent. Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es derzeit noch keine Impf-Zulassung. Fidler, der auch der Corona-Kommission angehört, betont: „Jetzt, wo die kalte Jahreszeit ansteht, in der sich die Menschen mehr in Innenräumen aufhalten, ergibt sich eine Situation mit vielen Fragezeichen. Viele Experten erwarten einen deutlichen Anstieg, wenn sich die Impfquote nicht steigern lässt. Schulen spielen dabei eine wichtige Rolle.“
In der älteren Bevölkerung haben wir eine gute Durchimpfung, bei den Jungen klaffen Lücken.
Herwig Kollaritsch, Infektiologe
Was die Impfung von Lehrern angeht, glaubt Kollaritsch nicht, dass es eine Verpflichtung braucht. Genug Lehrpersonen seien vom Sinn der Impfung überzeugt – wobei es Unterschiede nach Bundesländern gebe. In Vorarlberg haben sich über 80 Prozent impfen lassen. Fidler bleibt skeptisch: Schüler hätten keinen Einfluss darauf, ob eine ungeimpfte Lehrperson im Klassenzimmer stünde. Eine Impfpflicht für Lehrer ist aus seiner Sicht nach wie vor geboten. Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) will weiterhin auf Motivation setzen. „Gerade bei den Elementarpädagogen wäre der Wunsch aber groß, dass wir noch mehr zur Impfung bewegen könnten.”
Viele Experten erwarten einen deutlichen Anstieg, wenn sich die Impfquote nicht steigern lässt.
Armin Fidler, Public Health-Experte
Die Situation nach der Sicherheitsphase an den Schulen bezeichnet Rüscher als besser als erwartet. Doch auch sie rechnet mit Blick auf den Winter mit höheren Infektionszahlen. Deshalb müsse die Impfquote unter jungen Menschen gesteigert werden. Rüscher verweist auf Informationsmaßnahmen, niederschwellige Angebote wie den Impfbus, das Impfen in Einkaufszentren oder andere Anreize. „Wir bemühen uns um eine breite Palette, um viele junge Menschen abzuholen.”