Franz Viehböck, einziger Österreicher im All: “Zweifel hat es nicht gegeben”

Warum für Viehböck ein Rückzieher damals keine Option war.
hohenems Franz Viehböck ist der einzige Österreicher, der je ins All geflogen ist. Mittlerweile ist es 30 Jahre her, dass der Wiener Elektrotechniker zu seiner Reise im Rahmen des österreichisch-russischen Weltraumprojekts “Austromir” aufgebrochen ist. Während seines einwöchigen Aufenthalts auf der Raumstation Mir führte Viehböck 15 wissenschaftliche Experimente durch. Im VN-Interview spricht der Vorstandsvorsitzende der Berndorf AG, der auf Einladung des Marketing Clubs Vorarlbergs in Hohenems war, über seine Eindrücke, die Motivation, sich für das Projekt zu bewerben, und die Frage, weshalb nicht schon längst weitere Österreicherinnen und Österreicher im All waren.
Was ist Ihnen von Ihrer Reise ins All am deutlichsten in Erinnerung geblieben?
Da gibt es nicht eine bestimmte Sache, sondern mehrere. Am Tag des Starts ist meine Tochter geboren worden. Das ist schon einzigartig. Die Geburt eines Kindes ist sowieso ein riesiges Ereignis, und dann auch noch während diesen Umständen. Das nächste ist natürlich die Faszination für die Technik, vom Start, der Rakete, der Kapsel, dem Raumschiff, dem Flug im All, dem Andocken, der Raumstation mit allem was technisch dazugehört bis zum Eintritt in die Atmosphäre, der Landung und natürlich der Schwerelosigkeit, dem Schweben, dem Ausblick aus der Kapsel, aus der Raumstation – einerseits auf die Erde und andererseits auf das Weltall.
Warum haben Sie sich damals eigentlich beworben?
Es war ein generelles Interesse. Zudem war ich jung und bin am Beginn meines Berufslebens gestanden. Ich dachte mir: Das passt zu mir. Da habe ich mich dann einfach beworben.
Kam ein Zeitpunkt, an dem Sie Zweifel hatten?
Das hat es nicht gegeben. Das war wahrscheinlich auch deshalb, weil die Auswahl sehr anstrengend war. Wenn man damit einmal beginnt, ist man sehr fokussiert auf die Sache und hat auch die Energie, dass man es wirklich durchzieht.
Warum sind Sie der einzige Österreicher, der im All war? Weshalb tritt niemand in Ihre Fußstapfen?
Es fehlt der politische Wille und die Unterstützung.
Was müsste die Politik machen?
Sie müsste sich dafür entscheiden, dass wieder ein Österreicher, eine Österreicherin ins All fliegen kann. Außerdem sollte sie nicht nur den Willen dazu bekunden, sondern auch entsprechende finanzielle Mittel für die europäische Raumfahrt bereitstellen.

Private Unternehmen wie SpaceX, Virgin Galactic und Blue Origin machen derzeit besonders viel von sich reden. Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung ein?
Super! Es passiert sehr viel, und das belebt die Szene sehr.
Ist Urlaub im All keine ferne Zukunftsvision mehr?
Jein. Wenn man die finanziellen Mittel dazu hat, kann man ja jetzt schon einen Ausflug machen. Man sollte es aber nicht mit einer Reise in die Karibik verwechseln. Es handelt sich um eine große körperliche Herausforderung; man muss sich das eher als eine Expedition vorstellen.
Die Aktivitäten von Milliardären wie Jeff Bezos und Richard Branson sind auch kritisiert worden, etwa von Seiten der Vereinten Nationen – während Menschen hungerten, machten diese Spritztouren im Weltall. Wie sehen Sie das?
Ich sehe das nicht so. Generell muss man sagen: Wer die Chance hat, ins All zu fliegen, ist so ergriffen vom Erlebten, vom Ausblick auf die Erde, und damit auch motivierter, sich für den Erhalt unseres Planeten einzusetzen. Gerade Milliardäre wie Jeff Bezos oder Richard Branson können auch viel bewirken.
Möchten Sie eigentlich noch einmal ins Weltall reisen? Vielleicht dieses Mal als Tourist?
Ja, sehr gerne, aber nicht als Tourist. Ich brauche einen Inhalt. Nur hinaufzufliegen, wäre mir zu wenig. Ich will mehr.
Wie steht es um Ihre Russisch-Kenntnisse? Beherrschen Sie die Sprache noch gut?
(lacht) Ja, natürlich.
“Austromir”
Am 2. Oktober 1991 war Viehböck im Rahmen des damals rund 200 Millionen Schilling teuren “Austromir”-Projekts mit einer Rakete von Baikonur aus zur russischen Raumstation Mir gestartet.