Stimmungsbild in Lindau: “Sie hätten den Söder nehmen sollen”

Große Koalition als Wunsch nach der deutschen Bundestagswahl.
Lindau Beim beliebten “Griechen am Langenweg” in Lindau ist die Atmosphäre im Lokal entspannt. Die Menschen speisen, angeregte Wahldiskussionen sind akkustisch von der Theke aus nicht auszumachen. “Lasst die Gäste essen”, bittet der Wirt. Draußen treffen wir auf Dirk (59) und Barbara (64) Meyer. Sie sind auf dem letzten Stand bezüglich aktueller Ergebnisse der Bundestagswahl. Ihr erster Gedanke geht nach Berlin. Von dort kommen sie her. “Dort gibt’s jetzt einen grünen Bürgermeister. Das gefällt mir nicht”, sagt SPD-Wähler Dirk. Was den Bund anbelangt, so hat Barbara eine klare Meinung. “Hätte die CDU den Söder aufgestellt, dann hätte ich diese Partei auch gewählt. Der Laschet hat meine Stimme jedoch nicht bekommen”, sagt sie. Dirk nickt. Auch er hätte dem Spitzenkandidaten Söder seine Stimme gegeben. Die CDU/CSU habe ganz einfach den falschen Spitzenkandidat aufgeboten, haben die Eheleute diesbezüglich keine zwei Meinungen.
Die Grünen und das Lastenrad
Im Gasthaus “Zum Zecher” analysieren die beiden Freundinnen Gerti Nanl (65) und Moni Cleves (65) den bundesdeutschen Urnengang. Auch für sie ist klar: “Den Söder hätten’s nehmen sollen. Der hätte die Wahl gewonnen”, sagt Moni, während Freundin Gerti zustimmend nickt. “Die Bayern wollen sie offensichtlich nicht. Das war doch schon beim Franz-Josef Strauss und beim Edmund Stoiber so”, legt Gerti nach. Für sie sind die AFD und die Grünen als Wahloption absolute No Goes. Dem stimmt Moni vollinhaltlich zu. “Stell dir vor, wir hätten die Grünen an der Macht. Dann müsste ich meinen 95-jährigen Vater bald mit dem Lastenrad zum Arzt bringen”, entwirft sie ein ihr unbehagliches Szenario
Einig sind sich die beiden Freundinnen sowie auch Dirk und Barbara Meyer: Deutschland brauche nun eine große Koalition. “Alles andere ist zu kompliziert”, sagt Dirk.
Merz und die Basis
Eine große Koalition könnte sich auch David Graf, ehemaliger Chef der Lindauer CSU, vorstellen. “Allerdings nur unter Führung der CDU/CSU. Wenn das nicht geht, sollte die Partei in Opposition gehen.” Man habe in Baden-Württemberg, was sonst mit der CDU/CSU passiere. Das bescheidene CSU-Ergebnis stößt Graf besonders sauer auf. Das Ergebnis der großen bayrischen Regierungspartei bezeichnet er sogar als katastrophal. Da könne man auch Markus Söder nicht aus seiner Verantwortung lassen.
Graf glaubt zu wissen, wie die Konservativen die Bundestagswahl gewinnen hätten können. “Mein Kandidat wäre Friedrich Merz gewesen. Der hatte die Basis auf seiner Seite. Mit dem wäre ein anderes Ergebnis zustande gekommen als das jetzige”, ist sich der CSU-Funktionär sicher.