Norweger stimmen für einen Linksruck

Politik / 14.09.2021 • 22:47 Uhr
Der Vorsitzende der Arbeiterpartei, Jonas Gahr Støre, dürfte neuer norwegischer Ministerpräsident werden.AFP
Der Vorsitzende der Arbeiterpartei, Jonas Gahr Støre, dürfte neuer norwegischer Ministerpräsident werden.AFP

Konservative abgewählt. Koalitionsgespräche aufgenommen.

Oslo Norwegen steht vor einem Regierungswechsel: Bei der Parlamentswahl am Montag wurde die konservative Regierung von Ministerpräsidentin Erna Solberg nach acht Jahren abgewählt. Als Sieger gingen nach Auszählung aller Stimmen die oppositionelle Arbeiterpartei und ihre zwei Verbündeten hervor. 

Der Vorsitzende der Arbeiterpartei, Jonas Gahr Støre, dürfte neuer norwegischer Ministerpräsident werden. Der 61-Jährige nahm am Dienstag erste Gespräche zur Bildung einer Koalition auf. Zugleich dankte Gahr Støre der seit 2013 regierenden Solberg dafür, “eine gute Ministerpräsidentin” gewesen zu sein. Seit 2020 stand sie einer Minderheitsregierung vor. Ein Grund für die deutliche Schlappe der Konservativen könnte die aktuelle Corona-Lage in Norwegen sein. Diese entwickelte sich in den vergangenen Wochen ähnlich ungünstig wie in Österreich. Andererseits ist ein Regierungswechsel nach spätestens zwei Legislaturperioden seit Beginn der 1960er Jahre in Norwegen die Regel.

Der Wahlkampf war vom Klimawandel und der Zukunft der Öl- und Gasindustrie in Norwegen geprägt. Die Arbeiterpartei will neue grüne Industrien unterstützen, darunter eine, in der Erdgas genutzt wird, um einen alternativen Treibstoff herzustellen, und eine, bei der CO2 unter dem Ozean gelagert wird.  In außenpolitischen Belangen könnte Norwegen wieder eine aktivere Rolle spielen als zuletzt. Gahr Støre machte von 2005 bis 2012 als Außenminister mit einer kantigen Nahost-Politik inklusive Hamas-Anerkennung auf sich aufmerksam. Auch gelang ihm mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow die Lösung etlicher Nachbarschaftsprobleme mit Russland.