Erderwärmung: Österreich passt sich zu wenig an

Politik / 08.09.2021 • 05:50 Uhr
Die heimischen Wälder stehen unter Druck. Die Klimaerwärmung sorgt für zunehmende Wetterextreme. Damit gehen mehr Windwürfe, mehr Trockenheitsstress und eine höhere Schädlingsbelastung vor allem durch Borkenkäfer einher. <span class="copyright">APA</span>
Die heimischen Wälder stehen unter Druck. Die Klimaerwärmung sorgt für zunehmende Wetterextreme. Damit gehen mehr Windwürfe, mehr Trockenheitsstress und eine höhere Schädlingsbelastung vor allem durch Borkenkäfer einher. APA

Umweltbundesamtamt kritisiert unzureichende Beachtung der Folgen des Klimawandels.

Wien Die Erderwärmung hinterlässt bereits ihre Spuren. Wetter- und klimawandelbedingte Schäden verursachen schon heute Kosten von durchschnittlich zwei Milliarden Euro jährlich. Bis 2030 könnten sich diese mehr als verdoppeln. Umso dringlicher ist es, nicht nur den Klimaschutz voranzutreiben, sondern sich an bereits unumkehrbare Folgen anzupassen. Hier hat Österreich Aufholbedarf, urteilt das Umweltbundesamt in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. 

Schwere Folgen von Hitze

“Das Klima hat sich verändert und mit diesen Veränderungen müssen wir uns abfinden”, erklärt Klimatologe Simon Tschannett. Um Schäden zu minimieren, brauche es also Anpassungen – das sei neben den Klimaschutzbemühungen zentral. In Vorarlberg gibt es dafür Klimawandel-Anpassungs-Modellregionen (KLAR!) im Raum Bregenz, Vorderland-Feldkirch, Vorderwald-Egg, Großwalsertal und Walgau. Sie werden vom Klima- und Energiefonds sowie vom Klimaschutzministerium unterstützt. Im Walgau leitet Marina Fischer die Modellregion. “Eine der größten Herausforderungen ist die Hitze und Dürre im Sommer.” 2018 habe sich die Dramatik deutlich gezeigt. “Alles war braun in braun. Die Felder sind vertrocknet. Die Landwirte hatten Ernteausfälle von 70, 80 Prozent.” Daher würden nun Maßnahmen zur Bodenverbesserung erprobt, “damit es zu einem höheren Erdanteil kommt und mehr Wasser gespeichert wird”, erläutert Fischer ein Beispiel.

Das Umweltbundesamt befasst sich in seinem Bericht mit den insgesamt 14 Bereichen der nationalen Strategie zur Klimawandelanpassung. Aktivitäten würden zwar zunehmend umgesetzt. “Allerdings kommt dem Thema noch lange nicht die Bedeutung zu, die unzweifelhaft notwendig ist”, heißt es darin. So fehle Wissen zum künftigen Wasserverbrauch in der Landwirtschaft oder der Industrie. Zudem könnte der Klimawandel die Grundwasserqualität negativ beeinflussen. Mit zunehmenden Anteil erneuerbarer Energie würden Planung und Betrieb des Stromnetzes herausfordernder. Kritisch wird angemerkt, dass für eine ergänzende Naturgefahrenversicherung die politische Zustimmung fehle. Außerdem würden die Folgen des Klimawandels in der österreichischen Gesundheitspolitik zu wenig berücksichtigt: “Vor allem Hitze am Arbeitsplatz ist nicht ausreichend geregelt.” Ebenso wachse die Zahl allergischer Erkrankungen. Die Bodenversiegelung nehme nach wie vor zu. Der Borkenkäfer treibe weiterhin sein Unwesen. Wildschäden erschwerten die Verjüngung von Schutzwäldern. Im Bereich Bauen und Wohnen ortet das Umweltbundesamt Nachholbedarf bei innovativen Kühlsystemen, Beschattung, Dach- bzw. Fassadenbegrünungen, wenngleich es bei den öffentlichen Gebäuden bereits Vorzeigebeispiele gebe. 

Suche nach Flachdächern

In der KLAR-Region Walgau wird derzeit analysiert, wie viele Flachdächer bereits begrünt sind und potenziell begrünt werden könnten, berichtet Managerin Fischer. Das fördere neben Kühlung auch Biodiversität. “Es laufen auch Projekte zur fachgerechten Waldbodenbewirtschaftung”, mit verschiedenen klimafitten Baumarten. Langsam aber doch bedeutet dies den Abschied von Fichten und Monokulturen. Klimatologe Tschann hält solche Anpassungen für maßgeblich, erklärt aber gleichzeitig, dass diese wohl auch kultureller Natur sein müssten. Früher oder später könnte die Debatte aufgrund der zunehmenden Hitze sogar bis zur Siesta reichen.