Verzweifelte Flucht auf dem Landweg

Politik / 01.09.2021 • 22:40 Uhr
Afghanische Familien haben nahe einem Bahnhof im Grenzort Chaman, Pakistan, ihr Lager aufgeschlagen. reuters
Afghanische Familien haben nahe einem Bahnhof im Grenzort Chaman, Pakistan, ihr Lager aufgeschlagen. reuters

Zahlreiche Menschen versuchen, Afghanistan zu verlassen.

kabul Nach dem Ende der Luftbrücke aus Afghanistan wagen viele Menschen die Flucht auf dem Landweg. Am Übergang Islam Qala an der Grenze zum Iran drängten sich Tausende, teilten Augenzeugen am Mittwoch mit. An einem Grenzübergang zu Pakistan unweit des Khyber-Passes wartet laut einen pakistanischen Behördenvertreter eine große Zahl von Menschen darauf, dass die Tore geöffnet werden.

Einzige Möglichkeit

Ein ehemaliger US-Militärvertreter erklärte, Überlandverbindungen seien riskant, aber zurzeit die einzige Möglichkeit zur Flucht. Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban Mitte August waren über 122.000 Personen ausgeflogen worden. Den Vereinten Nationen zufolge könnten bis Jahresende bis zu eine halbe Million Menschen fliehen.

„Ich höre in den Nachrichten und von Verwandten, dass Tausende an der afghanischen Grenze zu Pakistan warten“, sagte ein Mann, der einen US-Pass besitzt und für das amerikanische Militär gearbeitet hat. Seine Versuche, mit seinen sechs Töchtern in eine der Evakuierungsmaschinen zu gelangen, blieben erfolglos, wie er der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Die US-Botschaft habe nur ihm, aber nicht seinen Kindern die Ausreise zusagen können. Das zentralasiatische Nachbarland hat die Aufnahme von 100.000 Flüchtlingen zugesagt. Wie aus dem Umfeld von privaten Evakuierungsmissionen verlautete, zieht es viele Afghanen auch nach Usbekistan. Taschkent hat erklärt, Amerikanern und unter Umständen auch anderen Staatsangehörigen die Durchreise zu ermöglichen.

Mit einer Regierungsbildung ließen die Taliban indes weiter auf sich warten. Es gebe noch keine exakten Informationen über den Zeitpunkt, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mujahid der dpa. Einer möglichen Beteiligung früherer Regierungsmitglieder erteilte ein hochrangiges Mitglied eine Absage.

Nahe dem Panjshirtal lieferten sich Widerstandskämpfer den Taliban zufolge erneut Gefechte mit den Islamisten. Panjshir ist die einzige von 34 Provinzen des Landes, die nach den Eroberungen der Taliban noch nicht unter Kontrolle der Islamisten steht. Die Taliban hatten von 1996 bis zu ihrem Sturz durch die US-geführten Truppen 2001 Afghanistan beherrscht