Warten auf Taliban-Regierung

Politik / 31.08.2021 • 22:50 Uhr
Ungewisse Zukunft nach US-Abzug.
Ungewisse Zukunft nach US-Abzug.

Nach Abzug der US-Truppen: Bald dürfte neue Führung Afghanistans vorgestellt werden.

kabul Die US-Truppen sind nach fast 20 Jahren aus Afghanistan abgezogen – nun richten sich die Blicke ganz auf die erneute Herrschaft der militant-islamistischen Taliban. Die Vorstellung der neuen Führung wird in Kürze erwartet. Der Taliban-Führungsrat besprach die Bildung einer neuen islamischen Regierung sowie die aktuelle Lage und die Sicherheit im Land bei einem Treffen in Kandahar. Bislang ist weitgehend unklar, wie die Taliban das Krisenland regieren wollen.

Zweifel an gemäßigter Linie

Die Taliban haben Mitte August nach einem militärischen Eroberungszug in Afghanistan die Macht übernommen. Bisher traten die Islamisten gemäßigter auf als während ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001 und gaben sich versöhnlich. Viele Afghanen bezweifeln, dass sie bei dieser Linie bleiben. Es gibt Berichte über Menschenrechtsverletzungen und etwa Angriffe auf Journalisten.

Das letzte US-Militärflugzeug hob am Montagabend eine Minute vor Mitternacht vom Flughafen Kabul ab. Damit beendeten die USA ihren Militäreinsatz nach fast 20 Jahren. Der Abflug machte den Taliban-Kämpfern den Weg auf das Flughafengelände frei. Militärisches Gerät hatten US-Soldaten vorher unbrauchbar gemacht – bis auf “ein paar Feuerwehrautos und ein paar Gabelstapler”, wie Pentagonsprecher John Kirby zu CNN sagte. Der Abzug der letzten US-Soldaten markierte auch das Ende der militärischen Evakuierung von US-Bürgern, Verbündeten und schutzbedürftigen Afghanen. Zurückgebliebene Amerikaner und andere Schutzsuchende wollen die USA nach Worten von Präsident Joe Biden aber weiter mit diplomatischen Mitteln soweit möglich aus dem Land holen

Mit dem Abzug überlässt der Westen das Land wieder jenen Islamisten, die er Ende 2001 entmachtet hatte. Die USA und ihre Verbündeten hatten teils mehr als 100.000 Soldaten im Einsatz, wobei die USA die schwersten Verluste verzeichneten. “Wir haben 2461 Soldaten in diesem Krieg verloren”, teilte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin mit. Zehntausende weitere hätten sichtbare und unsichtbare Verletzungen erlitten. “Die Narben des Kampfes heilen nicht leicht und heilen oft überhaupt nicht.”

In einer Evakuierungsmission, die Biden als “größte Luftbrücke in der Geschichte der USA” bezeichnete, hatten die Vereinigten Staaten und ihre Partner Landsleute sowie afghanische Schutzbedürftige ausgeflogen. Allein das US-Militär flog General Kenneth McKenzie zufolge 79.000 Zivilisten aus Kabul aus, darunter rund 6000 Amerikaner. Nach seinen Worten brachten die USA und ihre Verbündeten mehr als 123.000 Menschen außer Landes. 

Kurz beriet sich mit Merkel.
Kurz beriet sich mit Merkel.
Die Taliban haben nun auch den Kabuler Flughafen übernommen. AFP/HOLt/US CENTCOM/APA
Die Taliban haben nun auch den Kabuler Flughafen übernommen. AFP/HOLt/US CENTCOM/APA
Nach dem Abzug der US-Militärs halten die Taliban endgültig die Macht der Hand. APA/AFP/WAKIL KOHSAR
Nach dem Abzug der US-Militärs halten die Taliban endgültig die Macht der Hand. APA/AFP/WAKIL KOHSAR