Rebellierende Lehrer halten Land auf Trab

Bildungsgipfel findet keine Lösung bei PCR-Tests für Lehrer.
Schwarzach Mehr als 160 Lehrer rebellieren. Sie wollen sich nicht gegen Corona impfen lassen, aber auch nicht wie zukünftig vorgeschrieben einen wöchentlichen PCR-Test mit einem Mund-Nasen-Abstrich vornehmen lassen. Die Gruppe kritischer Lehrer war am Donnerstag auch Thema beim Schul- und Elementarpädagogikgipfel im Landhaus. Anschließend sprach Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink von einer schwierigen Situation. Dass es von der Pflichtschullehrergewerkschaft keine Impfempfehlung gibt, bedauerten Schöbi-Fink und Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher. Unklar bleibt, ob die impfunwilligen Pädagogen zukünftig selbst für ihren wöchentlichen PCR-Test aufkommen müssen. Der AHS-Lehrervertreter kritisiert den Inhalt des Bildungsgipfels. Sie hätten gerne über mehr gesprochen als Corona. Die Schülervertretung spricht eine Impfempfehlung aus.
Eine Gruppe
Oberstes Ziel für das Schuljahr sei, Fernunterricht zu vermeiden, betont Bildungsdirektorin Evelyn Marte-Stefani einmal mehr. Maske- und Testpflicht – je nach Risikostufe – sollen helfen, dieses Ziel zu erreichen. Lehrer, die nicht geimpft sind, müssen sich drei Mal in der Woche testen lassen, einmal extern per PCR-Test. Wie die VN berichteten, sieht die Gruppe der impfkritischen Vorarlberger Lehrer die PCR-Testpflicht kritisch. Insbesondere der Mund-Nasen-Abstrich ist vielen ein Dorn im Auge. Marte-Stefani rechnet in der Sendung “Vorarlberg live” vor: “Wir haben rund 6500 Lehrer. Und da gibt es eine Gruppe, die Probleme hat. Ich kann verstehen, dass jemand Angst vor der Impfung oder einem Abstrich hat.” Aufklärungsgespräche sollen helfen, diese Angst zu nehmen. Außerdem sei man bemüht, Alternativen zum Mund-Nasen-Abstrich zu finden.
Pflichtschul-Lehrergewerkschafter Willi Witzemann schlägt Gurgeltests vor. Wegen Aerosolbildung sei das Gurgeln in den Teststraßen nicht möglich, entgegnet Rüscher. „Wir werden uns aber bemühen, dass ein Rachenabstrich angeboten werden kann.“ Auch in den Apotheken und bei den niedergelassenen Ärzten werde nachgefragt, ob andere Formen der Abstriche vorgenommen werden können. AHS-Lehrervertreter Gerhard Pušnik kann das nicht nachvollziehen. “Wenn ich das schon für Schüler an der Schule mache, kann ich das doch auch für Lehrer machen. Warum soll der Mundspültest für Schüler nicht auch für Lehrer möglich sein?” AHS-Schülervertreterin Lina Feurstein befürwortet zwar den Umstand, dass sich Lehrer nachweisen müssen, dass sie kein Risiko darstellen. “Aber wir sehen es auch so, dass sie den PCR-Test mit den Schülern absolvieren können.”
Bildungslandesrätin Schöbi-Fink zeigte Verständnis für die Irritation über die externen Tests. “Wir werden mit dem Ministerium sprechen.”
Bezahlung noch nicht fix
Eines steht fest: Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem die PCR-Tests nicht mehr vom Steuerzahler bezahlt, sondern für den Einzelnen kostenpflichtig werden. Den aktuellen Plänen des Bildungsministeriums zufolge müssen die Lehrer dann selbst bezahlen. Dagegen wehrt sich die Lehrergewerkschaft. Ob es tatsächlich dazu komme, kann Rüscher nicht beantworten. Details seien auf Bundesebene in Abstimmung.
Sie und Schöbi-Fink bekräftigen, dass sie sich eine Impfempfehlung der Lehrergewerkschaft gewünscht hätten. “Wenn sich eine Gruppe dagegen entscheidet, respektieren wir das”, erklärte Rüscher. Doch die Landesregierung habe sich an der Mehrheit der wissenschaftlichen Experten zu richten. Schöbi-Fink ergänzte, dass jede Impfempfehlung helfe. “Gleichzeitig muss man aber auch betonen, dass wir eine sehr hohe Durchimpfungsrate unter den Lehrern haben.” Unter den Vorarlberger Lehrern liege die Impfquote bei rund 80 Prozent.
Impfempfehlung der Schüler
Die Schülervertretung ist wesentlich offensiver als jene der Lehrer. Lina Feurstein betont: “Wir stehen klar hinter den Impfungen und empfehlen, sich impfen zu lassen. Impfungen sind ein großer Schritt, wenn es darum geht, Distance Learning zu vermeiden. Allerdings empfehlen wir auch, sich trotzdem weiter testen zu lassen, um solidarisch mit der Schulgemeinschaft zu sein.” Auch Lehrer hätten eine Vorbildfunktion. “Wir finden es cool, wenn sie sich impfen lassen und das sagen.” Eine Impfpflicht sei aber der falsche Weg.
Lehrervertreter Pušnik kritisiert das Treffen grundsätzlich. “Von einem Gipfel erwartet man sich, dass etwas entschieden wird oder zumindest eine Linie vorgegeben wird. Heute war es so, dass das bestätigt wurde, was wir schon wissen. Bedauerlich ist, dass es auf zahlreiche Ungereimtheiten Antworten vom Land oder Bildungsdirektion gab.” Es werde ausschließlich über Corona gesprochen. “Schule besteht offenbar nur aus Pandemie. Aber das bestreite ich. Es gibt viele pädagogische Problemfelder, die vernachlässigt werden.” Lina Feurstein bestätigt: “Wir sind mit dem Konzept für den Schulstart zufrieden. Aber es braucht weitere Konzepte. Zum Beispiel eines, wie die Lücken des Distance Learnings geschlossen werden können.”