Taliban ohne Zugriff auf Reserven

Politik / 19.08.2021 • 22:50 Uhr
Zentralbankchef Ahmady ist aus Kabul geflohen und berichtet aus dem Exil.
Zentralbankchef Ahmady ist aus Kabul geflohen und berichtet aus dem Exil.

IWF und Nato frieren Geldflüsse nach
Afghanistan ein.

KABUL Die Entscheidung zeichnete sich vorher bereits ab: US-Präsident Joe Biden hat sämtliche afghanischen Währungsreserven auf amerikanischen Bankkonten eingefroren. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) verfügt Afghanistans Zentralbank über Reserven von rund neun Milliarden Dollar. Ein großer Teil des Geldes wird aber außerhalb des Landes verwaltet, hauptsächlich in den Vereinigten Staaten und ein Teil auch in der Schweiz, in der in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Laut dem ins Ausland geflohenen Zentralbankchef Ajmal Ahmady haben die Taliban derzeit nur Zugriff auf etwa 0,2 Prozent der Reserven. Seit jeher ist die Zentralbank in Afghanistan auf regelmäßige physische Bargeldlieferungen angewiesen. Da die Lieferungen eingestellt wurden, nachdem sich die Sicherheitslage verschlechterte, ist der Betrag des verbleibenden Bargelds nahezu bei null. Amerikanische Medien berichten davon, dass Bargeldlieferungen kurz vor Abflug aufgehalten wurden. Da Afghanistan viele Waren importiert, könnte dies auch die Inflation in die Höhe schnellen lassen – was vor allem ärmere Afghanen hart treffen würde. Bislang haben sich die Taliban über Drogenhandel finanziert. Afghanistan produziert UN-Angaben zufolge rund 85 Prozent des weltweit hergestellten Opiums, der Grundstoff von Heroin. Jens Stoltenberg, Generalsekretär der Nato, brach die finanziellen Hilfen an Afghanistan ab: „Es gibt aktuell keine afghanische Regierung, die von der Nato unterstützt werden könnte.“ VN-SUB