Erste Gespräche über die Zukunft Afghanistans

Politik / 18.08.2021 • 22:40 Uhr
Erste Gespräche über die Zukunft Afghanistans

“Befreit die Afghanen” steht auf dem Plakat dieser Menschen, die in der britischen Hauptstadt London protestieren. AP

Taliban trafen andere politische Kräfte Afghanistans.

kabul Nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan haben die Taliban erste Gespräche mit anderen einflussreichen politischen Kräften des Landes geführt. Ex-Präsident Hamid Karsai und der Leiter des Hohen Rates für Nationale Versöhnung Abdullah Abdullah sprachen am Mittwoch mit dem hochrangigen Taliban-Mitglied Anas Hakkani. Ein Mitarbeiter Karsais teilte danach mit, es sei um Pläne und weitere Treffen gegangen, wenn die politische Führung der Taliban-Bewegung in Kabul eingetroffen sein werde. Die Lage rund um den Flughafen in Kabul blieb weiter unübersichtlich. Hunderte Menschen harrten dort aus, wie Augenzeugen der Deutschen Presse-Agentur berichteten.

Furcht vor Schreckensherrschaft

Nach ihrem Eroberungszug und der Flucht des Präsidenten Aschraf Ghani haben die Taliban am Sonntag faktisch die Macht im Land übernommen. Der geflüchtete Ex-Präsident hat inzwischen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) Unterschlupf gefunden. Viele Afghanen befürchten eine Rückkehr der Schreckensherrschaft der Islamisten der 1990er-Jahre, während der etwa Frauen vom öffentlichen Leben ausgeschlossen waren und die Vorstellungen der Islamisten mit barbarischen Strafen durchgesetzt wurden.

Erste Proteste

Erste kleinere Proteste gegen die Herrschaft der Islamisten werden mittlerweile berichtet. In Chost, Kunar und Dschalalabad im Osten etwa zogen laut BBC Menschen mit der Nationalflagge durch die Straßen. Das endete Videos in sozialen Medien zufolge teils mit Schüssen durch Taliban. Über Opfer gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.

Kinder, Frauen und Männer hielten sich am Mittwoch auch rund um das Flughafengelände in Kabul auf und hofften, das Land verlassen zu können. Der Flughafen war aber nur eingeschränkt in Betrieb. Zahlreiche westliche Länder bemühen sich, ihre Staatsbürger und Ortskräfte in Sicherheit zu bringen. Die Weltgesundheitsorganisation warnte, die medizinische Not flüchtender Menschen wachse. In den Kliniken in Kabul und anderen Städten träten immer mehr Fälle von Durchfallerkrankungen, Mangelernährung, Bluthochdruck und Corona-Symptomen auf. Dazu kämen Schwangerschaftskomplikationen.

Nach Ankunft am Flughafen in Frankfurt umarmen sich Personen, die aus Afghanistan evakuiert wurden. reuters

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Ein Taliban-Kämpfer passiert die verunstaltete Werbefassade eines Schönheitssalons in Kabul, auf der einmal Frauen zu sehen waren. AFP

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Mehrere afghanische Familien überqueren den Grenzübergang in Chaman, um nach Pakistan zu gelangen. AFP

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Eine Gruppe Kämpfer bewacht den Eingang zum Innenministerium in der afghanischen Hauptstadt Kabul. AFP

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