Corona-Neuinfektionen übertreffen alle Prognosen

Politik / 14.08.2021 • 05:31 Uhr
Einfallsreiche Impfaktionen sollen für eine höhere Impfquote sorgen. Seit Kurzem wird auch im Wiener Stephansdom geimpft. Indessen steigen die Infektionszahlen rasant. <span class="copyright">APA</span>
Einfallsreiche Impfaktionen sollen für eine höhere Impfquote sorgen. Seit Kurzem wird auch im Wiener Stephansdom geimpft. Indessen steigen die Infektionszahlen rasant. APA

Österreich mitten in der vierten Welle: Sie wird laut Experten vor allem Ungeimpfte treffen.

Wien Die vierte Welle kommt deutlich früher als erwartet. Die Zahl der Neuinfektionen steigt kontinuierlich und vergleichsweise schneller als im Vorjahr. Am Freitag meldeten die Behörden 1005 neu registrierte Fälle binnen 24 Stunden. Auf 100 neuinfizierte Personen kommen derzeit 115 weitere. Österreichweit überschritt die Inzidenz der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mittlerweile die 50er-Marke. Im Westen liegt sie deutlich darüber und reicht von 66 in Vorarlberg bis 76 in Salzburg. Auch Wien verzeichnet Werte in dieser Größenordnung. Die Inzidenzen in den Vorarlberger Bezirken bewegen sich zwischen 55 in Bregenz und 78 in Feldkirch.

Wie die VN berichteten, bewertet die Coronakommission das Risiko im Westen als mittel (gelb), in den anderen Bundesländern als gering (gelb-grün). Abzuwarten bleibt, ob sich die steigende Zahl der Neuinfektionen in den Spitälern bemerkbar machen wird. Derzeit ist die Situation ruhig. Die Delta-Variante betrifft aktuell knapp 80 Prozent aller Fälle.

Ein Viertel reisebezogen

Die meisten Neuinfektionen finden sich weiterhin in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen. Hier liegt die Inzidenz bei 127. Der Altersdurchschnitt aller Fälle beträgt 31 Jahre. Die Coronakommission berichtet allerdings, in den vergangenen drei Wochen auch eine steigende Inzidenz bei der Gruppe der Über-65-Jährigen wahrgenommen zu haben. Mit Blick auf die vergangenen fünf Wochen sind die meisten Fälle auf den privaten Haushalt zurückzuführen, durchschnittlich waren es 38 Prozent. Ein Viertel der Fälle ist reisebezogen, 15 beziehungsweise 14 Prozent betreffen den Bereich Gastro/Hotellerie und Freizeit. Bei vier Prozent der Neuinfektionen liegt die Quelle laut Auflistung der Gesundheitsagentur AGES in der Arbeit.

Corona-Neuinfektionen übertreffen alle Prognosen

Die Zahl der Neuinfektionen steigt derzeit rasanter als prognostiziert. Mittlerweile überschreiten sie sogar die für kommende Woche erwartete Zahl von 740 neuen Fällen pro Tag. Das Systemrisiko ist auf Grund der Spitalsbelegung noch gering. Am 10. August waren laut Prognose-Konsortium 2,3 Prozent der verfügbaren Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt – das sind 46. Diese Zahl wird laut Prognosen auf 3,6 Prozent beziehungsweise 74 Patienten steigen. Auf der Normalstation befanden sich am 10. August 146 Personen. Ein Anstieg auf 227 wird erwartet. Die Prognosen waren bislang stabil und trafen in der Vergangenheit weitgehend zu. Nur die Steiermark riss in den vergangenen zwei Wochen aus. Binnen zehn Tagen stieg dort die Zahl der Intensivpatienten nämlich von eins auf neun.

Anschober meldet sich mit Appell

Der Epidemiologe Gerald Gartlehner glaubt, dass die vierte Infektionswelle vor allem die Ungeimpften treffen wird. Gesundheitsexperte Armin Fidler erklärt im VN-Gespräch, dass sich das Virus die Vulnerabelsten, also jene ohne Impfung, suchen werde. „Wir können bis in den Herbst und Winter hinein erwarten, dass sich diejenigen, die sich nicht impfen lassen, wahrscheinlich infizieren.“ Schwere Verläufe unter Erwachsenen seien programmiert. Das Nachrichtenmagazin „Profil“ hat erst kürzlich alle Intensivstationen mit Corona-Patienten durchtelefoniert. Stand 3. August waren es 31 Personen, 24 von ihnen waren ungeimpft, zwei nur teilimmunisiert.

Unterdessen meldete sich auch der frühere Gesundheitsminister Rudolf Anschober mit einem Appell zurück. “Im vergangenen Jahr erreichten wir die 1000 Neuinfektionen erst Anfang Oktober.” Es gehe jetzt nicht mehr nur um den Schutz der Intensivstationen, sondern auch um eine Vermeidung von Long Covid. “Daher dringend: Impfen, testen und vorsichtig sein!”