ÖVP-Wunschkandidat setzt sich bei der ORF-Wahl durch

Politik / 11.08.2021 • 05:00 Uhr
ÖVP-Wunschkandidat setzt sich bei der ORF-Wahl durch
Roland Weißmann wurde am Dienstag im Stiftungsrat mit 24 von 35 Stimmen gewählt. APA

Weißmann löst Wrabetz ab Jänner als ORF-Generaldirektor ab.

Wien Er ging als von der ÖVP favorisierter Kandidat ins Rennen, ab 1. Jänner 2022 ist er ORF-Generaldirektor. Roland Weißmann wurde am Dienstag im Stiftungsrat mit 24 von 35 Stimmen gewählt. Schon bisher hatte der 53-Jährige schon gewichtige Positionen im ORF inne, bald führt er das größte heimische Medienunternehmen.

Weißmann gilt als gut vernetzt ins bürgerliche Lager und in die ÖVP. Während ihm Kritiker Willfährigkeit unterstellen, beschreiben ihn andere als verbindlich, verlässlich und professionell. “Die Unabhängigkeit der Redaktion ist für mich das Wichtigste”, erklärte er im Vorfeld der Wahl. Der Vorsitzende des Stiftungsrates, Norbert Steger, stärkte ihm den Rücken: “Bei einem Ergebnis von fast 70 Prozent bei fünf Kandidaten, kann man nicht sagen, es war eine Regierungsentscheidung”, sagt der einstige FPÖ-Chef, der gemeinsam mit den Stiftungsräten der türkisen und grünen Freundeskreise sowie vier unabhängigen, aber ÖVP-nahen Mitgliedern für Weißmann gestimmt hat. Steger berichtet von einer Protokollanmerkung, wonach der noch amtierende Generaldirektor Alexander Wrabetz alle wesentlichen Entscheidungen mit Weißmann absprechen muss. Unter anderem steht die Besetzung wichtiger Posten im Newsroom an, auch wird Wrabetz heuer einen Antrag auf Gebührenerhöhung stellen müssen.

“Heute war Wahlgang und morgen werden wir weiterhin professionell zusammenarbeiten”, ist Weißmann überzeugt. Er kenne das Unternehmen aus journalistischer und kaufmännischer Sicht. Beides müsse man verbinden: “informativ, objektiv, unterhaltsam, spannend, regional und digital”. Dass er bei mindestens zwei Treffen des ÖVP-Freundeskreises mit dem Medienbeauftragten des Kanzleramts teilgenommen hat, verteidigt Weißmann. Es sei üblich, sich  auszutauschen, etwa über die digitale Novelle des ORF-Gesetzes. Diese solle so rasch wie möglich kommen. Weißmann betonte in seiner Bewerbung den ORF digitaler, jünger und diverser zu machen. Die Direktionsstruktur will er vorerst beibehalten, die Landesstudios mit mehr Ressourcen ausstatten. VN-ebi