Schattenkrieg im Golf
Im Golf von Oman südlich von Iran spielt sich in diesen Tagen ein mysteriöser Schattenkrieg ab, der täglich eskaliert und Zündstoff für eine offene kriegerische Auseinandersetzung liefert. Ende Juli hatte sich hier, gleichsam aus heiterem Himmel, ein Angriff von mehreren sogenannten Selbstmord-Drohnen auf einen Tanker ereignet. Was die Japanische Kaiserliche Marineluftwaffe im Zweiten Weltkrieg mit ihren gefürchteten Kamikaze („göttlicher Wind“)-Attacken auf amerikanische und australische Kriegsschiffe im Pazifik nur unter selbstmörderischer Opferung der Piloten vollbringen konnte, schaffen heute unbemannte Drohnen (UAVs – Unmanned Areal Vehicles), die beim Aufschlag auf ihr Ziel ihre 30-Kilogramm-TNT-Sprengstoffladung zünden. Doch die Wirkung ist kaum weniger mörderisch: Beim Drohnen-Anschlag, um 3 Uhr 40 nachts am Donnerstag 29. Juli, 80 nautische Meilen südöstlich der Küste des Oman, auf den (einem israelischen Eigentümer gehörenden) Öltanker „Mercer Street“ wurden in ihren Schlafkojen zwei Seeleute tödlich getroffen: der rumänische Kapitän des Schiffes und ein britischer Sicherheitsmann.
Für Israel war, unter Berufung auf seine Geheimdienstquellen, Iran klar der Angreifer. Israel drohte eine unilaterale militärische Vergeltungsaktion an, falls sich seine Verbündeten nicht rasch auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können – gegenwärtig laufen entsprechende Geheimgespräche. Der britische Außenminister Dominic Raab hatte unmissverständlich von einer „gezielten Verletzung des Völkerrechts“ in internationalen Gewässern durch Iran gesprochen und deutete dunkel eine „konzertierte Antwort“ auf diese „inakzeptable Attacke“ an.
Das iranische Säbelrasseln ist eine Drohgebärde gegenüber der Westlichen Welt.
Doch es kam bereits zu einem neuen Zwischenfall im Golf von Oman, als am Dienstagnachmittag der unter panamischer Flagge fahrende Öltanker „Asphalt Princess“ nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormuz von Bewaffneten gestürmt und vorübergehend unter Kontrolle gebracht wurde. Westliche Geheimdienste schreiben beide Angriffe Iran zu. Die Revolutionsgarden beteuern ihre Unschuld und sprechen von einem Vorwand für künftige „feindliche Aktionen“ gegen Iran. Beide Attacken erfolgten zu einem kritischen Zeitpunkt: Vor der Wiederaufnahme der internationalen Nuklearverhandlungen mit Teheran und vor der Amtseinsetzung des neuen iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi, einem berüchtigten Hardliner, der bereits verkündet hat, er werde die „tyrannischen Sanktionen“ der USA gegen sein Land bekämpfen. Das iranische Säbelrasseln ist unverkennbar eine Drohgebärde gegenüber der Westlichen Welt und soll namentlich den Erzfeind Israel einschüchtern. Dass dabei Teheran nur verlieren kann, liegt auf der Hand.
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