Gratistests stehen auf der Kippe

Vorarlberger Ärztekammer und ÖGK orten falschen Anreiz.
Wien Irgendwann ist es genug mit Gratistests. Davon sind nicht nur die ÖVP-geführten Bundesländer überzeugt, die einen ersten Vorstoß in diese Richtung wagten. Auch Manfred Brunner, Landesstellenvorsitzender der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) ist dieser Meinung, ebenso der Vorarlberger Ärztekammerpräsident Michael Jonas. Im Gesundheitsministerium will man die Lage im Herbst neu bewerten. Die Tests für symptomatische und nicht impfbare Personen blieben aber jedenfalls kostenlos.
Bis Donnerstag wurden in Österreich laut Daten des Gesundheitsministeriums 68,2 Millionen Tests im Rahmen von Screenings oder in Teststraßen durchgeführt. Dazu kommen noch 11,7 Millionen Tests in Apotheken, 5,6 Millionen Tests in Betrieben und 35,9 Millionen Schultests. Das Land Vorarlberg zählt laut Dashboard 3,6 Millionen durchgeführte Tests. Die Kosten dafür trägt der Bund. Das Gesundheitsministerium rechnet bis Jahresende mit Ausgaben zwischen 1,5 und 1,8 Milliarden Euro. Schul- und Betriebstests sind noch nicht eingerechnet. Die Kosten pro Test sind unterschiedlich, in den Apotheken liegen sie bei 25 Euro pro Stück.
“Ich sehe nicht ein, warum die Allgemeinheit diese doch sehr kostspieligen Tests zahlen muss, wenn Menschen sich weigern, die Gratisimpfung in Anspruch zu nehmen”, kritisiert der Präsident Ärztekammer Österreich, Thomas Szekeres, auf Ö1. “Jeder, der sich nicht impfen lassen möchte und Veranstaltungen oder Restaurants besuchen möchte, sollte dann selbst für das Testen bezahlen.” Voraussetzung sei, dass jeder die Möglichkeit habe, sich impfen zu lassen. Szekeres’ Amtskollege in Vorarlberg, Michael Jonas, schließt sich den Aussagen an und betont, dass es “Gratistests nur bei fehlender Immunantwort nach einer Covid-19-Impfung geben” sollte. Auch in der ÖGK findet die Diskussion Anklang. Landesstellenleiter Brunner erwähnt in diesem Zusammenhang eine Studie des Instituts Gesundheit Österreich: “Sie hat ergeben, dass das Risiko, sich anzustecken, bei nicht Geimpften ungefähr zehn Mal so hoch ist als bei Geimpften.” Hinzu würden Ungeimpfte bei einer Ansteckung in der Regel schwerer erkranken. “Aus Sicht der Krankenversicherung spricht daher alles für die Impfung und eigentlich nicht viel dafür, dass man Anreize unterstützt, sich nicht impfen zu lassen.” Man müsse das Thema auf jeden Fall im Herbst diskutieren.