VN-Interview: “Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten”

Politik / 04.08.2021 • 10:00 Uhr

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Katharina Rogenhofer ist Sprecherin des Klimavolksbegehrens. Bei der Klimawende nimmt sie Sebastian Kurz in die Pflicht.

Schwarzach Die Klimawende sei weder eine Rückkehr in die Steinzeit noch von Verzicht dominiert, ist Klimavolksbegehren-Sprecherin, Zoologin und Nachhaltigkeitsexpertin Katharina Rogenhofer überzeugt. Das gesamte Gespräch, bei dem über Mobilität der Zukunft auch abseits der Städte, CO2-Steuer, Fleischkonsum und warum Österreich auch Einfluss hat auf Brandrodungen in Brasilien Thema waren, kann im Video nachgesehen werden.

Wie viel Verzicht und Steinzeit steckt wirklich in der Klimawende?

Rogenhofer Der Sager von Bundeskanzler Kurz wundert mich sehr. Die Lösungen, die er anzubieten hat, sind sehr steinzeitlich. Natürlich gibt es Sachen, die anders werden. Aber wir verzichten bereits jetzt sehr viel: Auf gute Luft in Städten, auf Grünflächen, auf gute Transportmittel. Hier können wir gewinnen, wenn wir Klimaschutz betreiben. Es ist die Aufgabe der Politik, visionär voranzugehen. Dass die Klimakrise die größte des Jahrhunderts ist, zeigten die Katastrophen dieses Sommers. Innovationen allein werden nicht helfen.

VN-Interview: "Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten"
VN/Stiplovsek

Lang setzte man auf individuelle Lösungen, ist das gescheitert?

Es wird permanent Verantwortung herumgeschoben. Die Politik hat sich lange herausgehalten, jeder könne ja selbst klimafreundlich leben. Ich glaube nicht, dass wir uns wirklich entscheiden können. Die Norm ist immer noch das klimaschädigende, weil es einfach ist und finanziell gefördert wird. 4,7 Milliarden stecken wir in klimaschädigende Förderungen wie das Dieselprivileg.

Wie enttäuscht sind sie von der türkis-grünen Regierung?

Es ist viel zu wenig vorangegangen. Die Grünen werfen ihr Gewicht zu wenig in die Waagschale. Aber auch der Bundeskanzler hat viele Wähler, denen das Klima wichtig ist. Er muss sich entscheiden, lösungsorientiert Politik zu machen oder jene zu enttäuschen, deren Hab und Gut wegschwimmt oder die Ernte vertrocknet.

Was sagen sie jenen Lustenauern, die auf die S 18 hoffen?

Die Straßenbauprojekte stellen die wichtige Frage, wie Mobilität der Zukunft aussieht. Und meistens ist eine weitere Straße nicht die Lösung. Viele Konzepte zeigen eine Entlastung nur in den ersten ein, zwei Jahren. Dann steigt einfach der Verkehr und ich habe wieder das gleiche Problem. Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.

Corona zeigte die Grenzen in den Krisen. Stimmt sie dies pessimistisch?

Vor allem haben wir gelernt, wenn wir früh reagieren, werden die Folgen nicht so schlimm. Anders bei Corona wissen wir schon viele Lösungen, sowohl technologisch als auch gesellschaftlich, die Klimawissenschaft ist sich seit 40 Jahren einig. Wir haben nicht mehr viel Zeit, aber wir haben noch Zeit zu gestalten. Wir brauchen keinen Lockdown fürs Klima.