Delta-Variante auch in Vorarlberg

Drei Fälle seit vergangener Woche. Experten mahnen zur Vorsicht. Die Impfung wirkt.
Wien „Nur nicht übermütig werden“, sagt Oswald Wagner, Vizerektor der Medizinischen Universität in Wien. Er ist bekannt als jener Experte, welcher der Bundesregierung und ihren Entscheidungen bei den Corona-Pressekonferenzen wissenschaftlichen Rückhalt gibt. Dass nun gelockert wird, hält Wagner für richtig. Die 3G-Regel (getestet, geimpft, genesen) sei aber zentral. Grund dafür ist die sich ausbreitende Delta-Variante des Coronavirus, welche erstmals in Indien entdeckt worden ist.
Vergangene Woche wurden alleine in Österreich 77 neue Fälle mit der Delta-Variante registriert, wie eine Aufstellung der Ampelkommission zeigt. Zwei davon betrafen Infizierte in Vorarlberg. Diese Woche kam im Land ein weiterer Fall hinzu, bestätigt Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher auf VN-Anfrage. Von den Betroffenen – insgesamt wurden im Land bislang 20 mit der indischen Variante festgestellt – seien manche reisebezogen: „Die einen hatten einen Zusammenhang zu Afghanistan, die anderen zur Schweiz“, sagt Grabher. Derzeit befänden sich noch zehn Personen, die Kontakt zu einem Infizierten mit der Delta-Variante hatten, in Absonderung.
Eine Welle im Sommer?
Österreichweit sind aktuell 6,3 Prozent aller Neuinfizierten von der Delta-Variante betroffen, in Vorarlberg sind es rund zwei Prozent. Am stärksten grassiert diese Mutation in Wien. „Sie ist ungefähr 60 Prozent infektiöser als die britische Variante und 100 Prozent infektiöser als der Wildtyp“, erklärt Oswald Wagner. Die Ampelkommission berichtet, dass die Wahrscheinlichkeit schwerer Verläufe bei der Delta-Variante höher sei, vor allem bei nicht immunisierten Populationen. „Die Virusmutation ist ein ernst zu nehmendes Risiko, daher wird ein engmaschiges und kritisches Monitoring der Effekte aktueller und zukünftiger Öffnungsschritte empfohlen“, schreiben die Experten der Ampelkommission in ihrem Bericht. „Bei anhaltender Verbreitung dieser Variante ist ein neuerlicher Fallanstieg bereits in den Sommermonaten mit hohem Systemrisiko möglich.“ Das heißt, auch die Spitäler kämen wieder unter Druck.
Impfung wirkt
Abhilfe kann die Impfung leisten. Die Delta-Variante ist zwar resistenter, schwere Krankheitsverläufe treten nach vollständiger Immunisierung in der Regel aber nicht mehr auf. Zwei Dosen des Wirkstoffs von Biontech/Pfizer verhinderten demnach in 96 Prozent der Fälle eine stationäre Behandlung im Spital. Bei AstraZeneca lag die Quote bei 92 Prozent. Wolfgang Grabher ist überzeugt: „Die Impfung ist das einzige Mittel, um das Ganze zu durchbrechen, weil sie wirkt.“
Das zeigen auch die aktuell geringen Neuinfektionszahlen, ebenso der Altersdurchschnitt. Dieser ist seit Jahresbeginn von 46,7 auf 32,8 Jahre gesunken. Saisonale Effekte tragen ihr Übriges dazu bei: Aktivitäten finden zunehmend im Freien statt, die Luftfeuchtigkeit ist eine andere, ebenso das Raumklima. Der Herbst könnte aber wieder zu einer Herausforderungen werden, ist Grabher überzeugt. Ähnlich wie die Ampelkommission schließt auch der Landessanitätsdirektor nicht aus, dass es zu einer weiteren Welle kommt. Die Entwicklungen in Großbritannien würden zeigen, wohin der Weg gehen könnte. Dort hat die Delta-Variante bereits überhand genommen. Die Regierung musste versprochene Öffnungsschritte wieder verschieben.