Ein ganzes Menü zum Schutz des Rechtsstaates

Volksbegehren fordert die Umsetzung von 72 Maßnahmen. Jüngste Angriffe auf die Justiz haben das Fass zum Überlaufen gebracht.
Wien Eine solches Menü hat Österreich noch nie gesehen. 72 Maßnahmen sollen den Gusto des Parlaments, der Regierung sowie aller Bürgerinnen und Bürger wecken, sich für den Rechtsstaat und gegen Korruption stark zu machen. Das Menü ist ein Volksbegehren, ein Aufschrei zwölf namhafter Vertreter aus Justiz und Politik. Dazu zählen Martin Kreutner von der Internationalen Antikorruptionsakademie, Ex-OGH-Präsidentin Irmgard Griss und der frühere Leiter der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Walter Geyer.
Es waren unter anderem die Enthüllungen rund um den Ibiza-U-Ausschuss, die das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Die Chatnachrichten des früheren ÖBAG-Chef Thomas Schmid verstörten ebenso wie jene des einst mächtigen Justizbeamten Christian Pilnacek und Ex-Verfassungsrichter Wolfgang Brandstetter. Finanzminister Gernot Blümel ignorierte eine höchstgerichtliche Entscheidung zu Aktenlieferungen so lange, bis die Exekution drohte. Hinzu kommen mögliche Postenschacher unter Türkis-Blau (Stichwort: Casinos Austria) und der Verdacht des Gesetzeskaufs (Heinz-Christian Strache und die Schönheitsklinik), außerdem Angriffe der ÖVP gegen die WKStA. Vollständig ist diese Aufzählung bei Weitem nicht.
„Ich habe Dinge gesehen, die ich nicht für möglich gehalten hätte“, erklärt die frühere Korruptionsstaatsanwältin und Mitinitiatorin Christina Jilek, die von politischen Störfeuern während der Ermittlungen in der Ibiza-Affäre berichtete. „Wenn Politik von Korruptionsermittlungen betroffen ist, kann sie diese Ermittlungen nicht kontrollieren.“ Die Unabhängigkeit der Justiz müsse gestärkt werden, lautet eine der Forderungen des Volksbegehrens. In den vier weiteren Themenblöcken geht es um mehr Anstand und Integrität in der Politik, Stärkung der Rechtsstaatlichkeit, eine moderne und umfassende Antikorruptions- und Transparenzgesetzgebung sowie um Pressefreiheit, Medienförderung und Bekämpfung der Inseratenkorruption. Finanziert wird das Begehren von den Einreichenden aus eigenem Geld. Auch Crowdfunding ist geplant. Ab Ende Juni kann es vermutlich unterschrieben werden.




