Joseph Biden and Company
Im malerisch-britischen Cornwall an der Südküste Englands werden immer die „Rosamunde Pilcher“-Film-Schmonzetten fürs deutschsprachige Fernsehpublikum gedreht. Sämtlich mit glücklich-gefühlsseligem Ende nach liebevoll-friedlicher Lösung aller Probleme und Problemchen. Und da agierten ab vergangenen Freitag nach demselben Schnulzenmodus die Staats- und Regierungschefs der sieben angeblich wichtigsten Staaten der westlichen Welt: Joseph Biden and Company. (Der bei bisherigen Aufführungen immer nur Stunk machende Mitwirkende aus Washington wurde von der Besetzungsliste gestrichen und zum Glück durch einen anderen ersetzt.)
Die bisher bekannt gewordenen Bewertungen der neuen Aufführung sind auf jeden Fall herzerwärmend: „Wir ziehen endlich wieder gemeinsam an einem Strang“, jubeln die Stars unisono. Und erinnern sich an vergangene Schauspieldesaster nach Tauziehen-Muster: Mit dem US-Darsteller an einem Ende des Seiles und allen Übrigen am anderen. Nach kürzerem Hin und Her lies der Amerikaner den Strick einfach los und die Mitspieler fielen auf den Hintern. Worauf sich der Spielverderber zum Sieger erklärte und nach Hause ging.
Jetzt freuen sich alle Beteiligten, dass diese Zeiten zum Glück vorbei sind und sie vereinbarten gemeinsame Anstrengungen: Im Kampf gegen die Pandemie (mit einer großzügigen Impfstoff-Spende der Cornwall-Akteure für die „armen“ Länder der Welt), zur Ankurbelung der Wirtschaft, zur Bekämpfung des „Steuern-Sparens“, sowie in Sachen Umweltschutz, Stärkung der Demokratie, und „nahtlose“ Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik, plus kollektive Anstrengungen zur Verhinderung von Terrorismus und anderer Krebsgeschwüre der Weltgemeinschaft.
Die begrüßenswerte und wohlklingende Jubel-Arie enthielt leider ein paar Misstöne: Angefeuert und „unterstützt“ von Betroffenen wollen diverse Volksvertreter ein bisschen mehr Steuergerechtigkeit vereiteln. Außerdem müssen die europäischen Bühnengrößen von Cornwall diversen Mitgliedern im EU-Verein (Polen und Ungarn) die Sache mit der lupenreinen Demokratie noch schmackhaft machen. Und der Brexit-Pausen-Clown von Cornwall muss den Part „Nordirland-Protokoll“ noch etwas üben.
Fazit des Rezensenten: Die Neubesetzung des Hauptdarstellers im Ensemble für Cornwall mit US-Star Joseph Biden war immerhin ein Erfolgserlebnis. Es berechtigt zu Hoffnungen auf weitere lobenswerte Auftritte von Joseph Biden and Company.
„Die begrüßenswerte und wohlklingende Jubel-Arie enthielt leider ein paar Misstöne.“
Peter W. Schroeder
berichtet aus Washington, redaktion@vn.at