“Trojan Shield” – 81 Festnahmen, 67 Hausdurchsuchungen in Österreich

Politik / 09.06.2021 • 10:33 Uhr
"Trojan Shield" - 81 Festnahmen, 67 Hausdurchsuchungen in Österreich
APA

707 Kilo an Drogen sichergestellt – “Operation Achilles” führte zu Mordverdächtigem und einem in Wiener Keller gefolterten Mann. Ein Schwerpunkt der Untersuchungen lag in Vorarlberg.

Wien Bei einer der größten Polizei-Aktionen gegen das Organisierte Verbrechen haben Ermittler weltweit mehr als 800 Verdächtige in 16 Ländern festgenommen. In Österreich wurden 67 Hausdurchsuchungen durchgeführt und 81 Personen festgenommen, berichteten Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Justizministerin Alma Zadic (Grüne) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Außerdem fanden die heimischen Ermittler 707 Kilo Suchtmittel, 35 Waffen und 650.000 Euro Bargeld.

Schwerpunkte waren die Bundesländer Wien, Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg. Es werde noch Monate dauern, bis die Experten alle Daten ausgearbeitet haben, betonte Nehammer. 13 Verdächtige sitzen seit gestern in Haft, berichtete Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien. Es wurde auch bereits die U-Haft über diese Personen beantragt. Im Lauf des Mittwochs sind weitere 15 Verdächtige in die Justizanstalt Josefstadt eingeliefert worden, so die Behördensprecherin. Hier standen die U-Haft-Anträge noch aus. Den Haupttätern wird Bussek zufolge internationaler Drogenhandel vorgeworfen. “Es geht um Kokain, Heroin und Marihuana in sehr großen Mengen.”

Der Schlag gegen die Kriminellen lief in Österreich unter dem Namen “Operation Achilles”. Es wurden Observationen und Telefonüberwachungen sowie internationale Datenabgleiche durchgeführt. Bei einem “Action Day” am 7. Juni kamen österreichweit 400 Ermittler und Mitglieder von Spezialeinheiten zum Einsatz. Franz Ruf, Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, verwies besonders auf die Festnahme eines in Serbien wegen dreifachen Mordes gesuchten Beschuldigten. Bei dessen Festnahme wurden zehn Kilo Heroin sichergestellt. “Er ist einer der Anführer der Syndikate.” Darüber hinaus wurden die Entführung einer Person in Serbien und eine schwere Misshandlung geklärt.

Ein “Läufer”, ein untergeordnetes Bandenmitglied, das bei der Organisation 2.000 Euro Schulden hatte, sei in Wien in einen Keller verschleppt, mit einem Hammer malträtiert und schwer verletzt worden. “Das Ganze wurde mit einer Videoaufzeichnung dokumentiert. Man sieht darauf, wie dieses Opfer jammert und um Hilfe bittet”, führte Ruf aus. Zudem sei dessen Bruder mit dem Umbringen bedroht worden. Weiters wurde ein wegen internationalen Suchtgifthandels gesuchter Serbe in Österreich festgenommen, “gegen den auch Mordermittlungen in seiner Heimat geführt werden”. Zwölf Haftbefehle sind noch nicht vollstreckt, weil sich die Verdächtigen im Ausland aufhalten. Ruf zeigte sich aber zuversichtlich, “diese sehr rasch vollziehen zu können”.

FBI Legal Attache Theodore Callimanis, der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit Franz Ruf, Innenminister Karl Nehammer (ÖVP), Justizministerin Alma Zadic (Grüne) und die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien Nina Bussek am Mittwoch, 9. Juni 2021, im Rahmen der Pressekonferenz zur internationalen Operation "Trojan Shield" und zu den Ergebnissen zur Operation "Archilles" im Bundeskanzleramt in Wien. <span class="copyright">APA</span>
FBI Legal Attache Theodore Callimanis, der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit Franz Ruf, Innenminister Karl Nehammer (ÖVP), Justizministerin Alma Zadic (Grüne) und die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien Nina Bussek am Mittwoch, 9. Juni 2021, im Rahmen der Pressekonferenz zur internationalen Operation "Trojan Shield" und zu den Ergebnissen zur Operation "Archilles" im Bundeskanzleramt in Wien. APA

Ruf schlüsselte die sichergestellten Drogenmengen auf: 30 Kilo Kokain, 26 Kilo Heroin, 60 Kilo Streckmittel, 261 Kilo Cannabisharz und 390 Kilo Marihuana. “Der Straßenverkaufswert würde einen hohen Millionenbetrag ergeben”, so der Generaldirektor. “Man kann davon ausgehen, dass weitere Maßnahmen und Zugriffe im Bereich der Organisierten Kriminalität in den nächsten Tagen und Wochen vonstattengehen”, kündigte der Generaldirektor an.

Bei der Operation “Trojan Shield” (Trojanerschild) war Europol mit dem FBI federführend. Aus Österreich wurde ein leitender Beamte in die USA entsandt, zwei weitere Beamte zu Europol. “Die internationale Kooperation unserer Polizeibehörden ist ein wesentlicher Schlüssel bei der erfolgreichen Bekämpfung der Organisierten Kriminalität”, unterstrich Nehammer. Der Innenminister betonte auch, dass Ermittlungen gegen die Organisierte Kriminalität inzwischen – schon alleine wegen der Finanzierung – immer mit Terrorermittlungen einhergehen. Zu dem Terroranschlag im vergangenen Jahr in Wien wurden allerdings keine Verbindungen gefunden.