Völkermord an Herero und Nama

Politik / 28.05.2021 • 21:49 Uhr

Deutschland erkennt Kolonialverbrechen im heutigen Namibia als Genozid an.

berlin, windhuk Über 100 Jahre nach den Verbrechen der deutschen Kolonialmacht im heutigen Namibia erkennt die deutsche Regierung die Gräueltaten an den Volksgruppen der Herero und Nama als Völkermord an. Die Nachkommen will Deutschland in den kommenden 30 Jahren mit 1,1 Milliarden Euro unterstützen und offiziell um Vergebung bitten. Darauf haben sich Regierungsdelegationen aus beiden Ländern nach fast sechs Jahren Verhandlungen verständigt, gab Außenminister Heiko Maas am Freitag bekannt.

Das Deutsche Reich war von 1884 bis 1915 Kolonialmacht im heutigen Namibia. Während des Herero-und-Nama-Kriegs von 1904 bis 1908 im damaligen Deutsch-Südwestafrika begingen die Kolonialherren einen Massenmord, der als erster Genozid des 20. Jahrhunderts gilt. Historikern zufolge wurden etwa 65.000 von 80.000 Herero und mindestens 10.000 von 20.000 Nama getötet. Bereits seit 2015 verwendet das deutsche Außenministerium den Begriff des Völkermords in seinem allgemeinen Sprachgebrauch für den Vernichtungskrieg in Namibia. Jetzt werden die Gräueltaten auch ganz offiziell als Völkermord bezeichnet. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es diesen juristischen Begriff noch nicht. Erst 1948 beschloss die UNO-Generalversammlung als Konsequenz aus dem Holocaust die “Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes” und machte Völkermord zum Straftatbestand. Die Konvention gilt aber nicht rückwirkend, deswegen ergeben sich für Deutschland aus der Anerkennung des Völkermords keine rechtlichen Konsequenzen.