Kinderimpfung als Ermessensfrage

Politik / 28.05.2021 • 05:30 Uhr
Kinderimpfung als Ermessensfrage
In Kanada und in den USA werden Zwölf- bis 16-Jährige bereits geimpft. Heute, Freitag, könnte eine Zulassung des Impfstoffs für diese Altersgruppe in der EU folgen. AFP

Biontech/Pfizer-Zulassung für Zwölf- bis 16-Jährige steht bevor. Impfempfehlung bleibt umstritten.

Wien Die Pandemie hat den Kindern riesige Opfer abverlangt. „Lasst sie also in Ruhe“, mahnt Frauenarzt Hans Concin, angesichts der bevorstehenden Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Zwölf- bis 16-Jährige. Concin spricht sich offen gegen eine Kinderimpfung aus. Sie sei erst bei Jugendlichen ab 14 Jahren sinnvoll, da die sozialen Kontakte in diesem Alter deutlich zunehmen – aber auch nur dann, wenn alle Erwachsenen zuvor ihre Impfung erhalten haben.

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist derzeit für alle ab 16 Jahren zugelassen. Laut Landespressestelle wurden in Vorarlberg bereits 250 16-Jährige sowie 300 17-Jährige geimpft. Insgesamt haben sich über 3000 für eine Impfung angemeldet. Auch bei den Jüngeren besteht Interesse. 1250 Vormerkungen zählt das Land bei den 14- und 15-Jährigen, 680 bei den Zwölf- und 13-Jährigen. Bei allen unter Zwölf sind es knapp 330.

Entscheidet sich die Europäische Arzneimittelagentur heute, den Impfstoff von Biontech/Pfizer für Zwölf- bis 16-Jährige zuzulassen, ist mit einer Empfehlung durch das Nationale Impfgremium in Österreich zu rechnen. Mehrere Experten erklärten im Vorfeld, dass die Immunisierung von Kindern und Jugendlichen zur Pandemiebekämpfung von Bedeutung sei, auch wenn sie aufgrund einer Coronavirusinfektion seltener erkranken. Dieser Begründung bedient sich auch die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland, allerdings mit einem anderen Fazit: Herdenimmunität dürfe nicht das primäre Ziel bei Kinderimpfungen sein. Vielmehr gehe es darum, ihr individuelles Risiko zu vermindern, also Kindern schwere Krankheiten zu ersparen. So könnte die Impfung in Deutschland nur für chronisch kranke Kinder und Jugendliche empfohlen werden. 

Der Vorarlberger Arzt Hans Concin empfiehlt, vor allem Eltern und Lehrer konsequent zu impfen, “weil sie ständig Kontakt mit den Kindern haben“. Kinder selbst hätten ein verschwindend geringes Risiko infolge einer Coronainfektion zu befürchten. Hinzu komme, dass eine natürliche Infektion bei Kindern einen breiteren Schutz als die Impfung bringe. Der deutsche Virologe Christian Drosten, aber auch Impfgremiumsmitglied Karl Zwiauer warnen allerdings vor Langzeitfolgen. Sie seien bei Kindern eher ein Thema als eine akute Erkrankung.