„Krieg ist die Hölle“

Politik / 16.05.2021 • 22:29 Uhr

„Krieg ist die Hölle“, wusste schon der amerikanische Nordstaaten-General William Sherman. Nach Angaben des „Instituts für Frieden und Konflikte“ im schwedischen Uppsala werden zur Zeit in der Welt 41 Kriege ausgetragen. Der neueste ist ein weiterer israelisch-palästinensischer Krieg. Mit Verwüstung, Toten und Verletzten auf beiden Seiten. Wie viele Opfer es schon gab, ist umstritten und belegt dabei den alten Spruch: „Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst.“

Unbestritten ist nur, dass dieser Krieg wie alle Kriege das Versagen von Politik und Diplomatie markiert. Aktuelle Schuldzuweisungen für das neue Sterben im Nahen Osten, zu welcher Seite auch immer, verbieten sich. Die Antwort auf die Frage nach Schuld und Versagen wird auch diesmal die Geschichte liefern müssen. Auch die Frage, ob der Krieg vermeidbar war. Und beim Beurteilen sollten Sympathien und Präferenzen für die eine oder andere Seite keine Rolle spielen.

US-Präsident Joseph Biden handelte am Wochenende verantwortungsbewusst als er die Rolle des ehrlichen Maklers übernahm und mit den Anführern der beiden Kombattanten, dem amtierenden israelischen Premier Benjamin Nethanyahu und Palästinenser-Präsident Mahmut Abbas konferierte. Im Gespräch mit Nethanyahu bekräftigte er das Recht Israels, sich gegen im palästinensischen Gebiet gestartete Raketenangriffe zu verteidigen. Gegenüber Abbas äußerte Biden seine Sorge und Mitgefühl für die Opfer des Krieges, deren Zahl auf palästinensischer Seite offensichtlich größer ist als auf israelischer.

Ob Biden mit beiden Gesprächspartnern auch mögliche Wege zu einer dauerhaften Kriegsverhinderung, etwa mit einer Einigung auf die von Biden bevorzugte Zwei-Staaten-Lösung erörterte, ist nicht bekannt und das wird auch nicht „auf dem offenen Markt“ ausgetragen. Das Weiße Haus machte aber öffentlich, dass sich Biden gegenüber Nethanyahu besorgt und dezidiert über die gezielte israelische Zerstörung eines Hochhauses in Gaza geäußert habe, in dem sich die Büros und Wohnungen internationaler Medien befanden.

Das Handeln Bidens deutet darauf hin, dass in Washington ein neuer Präsident regiert, der sich der Verantwortung der Vereinigten Staaten für die Friedenssicherung in der Welt bewusst ist. Streben nach Gewaltfreiheit statt Hölle ist eine Hoffnung, die nicht sterben darf.

„Unbestritten ist nur, dass dieser Krieg wie alle Kriege das Ver­sagen von Politik und Diplomatie markiert.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at