Vorarlberger Helfer warnen: Corona-Drama in Nepal spitzt sich zu

Überfüllte Spitäler, fehlende Ausrüstung und zweifelhafte Zahlen.
Kathmandu, Bizau Derzeit dominiert die dramatische Corona-Situation in Indien die internationalen Schlagzeilen. Doch auch im benachbarten Nepal droht eine Krise. Erst vor Kurzem warnte die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass dem Land eine ähnliche Notlage drohe. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist in die Höhe gerast. Sie lag am Dienstag bei 207 pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen. Gleichzeitig stockt das Impftempo: Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung hat eine erste Impfung bekommen. „Die Regierung hat aufgegeben“, sagt Sabine Klotz, Obfrau der Vorarlberger Hilfsorganisation Chay Ya Austria. „Die öffentlichen Krankenhäuser sind vollkommen überfüllt, nur in den privaten Spitälern gibt es noch einige wenige Betten, die sich die meisten Menschen nicht leisten können.“ In vielen Bergdörfern gebe es überhaupt keine angemessene medizinische Versorgung, geschweige denn regelmäßige Tests. „Die offiziellen Zahlen sind nicht vertrauenswürdig.“ Die Dunkelziffer liege viel höher.

Auch die fehlende soziale Absicherung macht den Menschen zu schaffen. „Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt.“ Hunger greife um sich, warnt die Helferin. Erschwerend kommt die Abhängigkeit vom Tourismus dazu. Erst vor Kurzem sorgte ein möglicher Corona-Ausbruch im Basislager des Mount Everest für Aufregung. Mehrere Alpinisten berichteten, dass sie sich mit dem Virus infiziert hätten. Die Regierung entsandte ein Team, um die Situation zu untersuchen. Ein Sprecher des Tourismusministeriums erklärte schließlich, es gebe kein Corona auf dem Mount Everest.
Die Regierung kann sich keine negative Presse leisten. Nepal ist vollkommen vom Tourismus abhängig.
Sabine Klotz, Obfrau Chay Ya Austria
Klotz bezweifelt diese Aussagen. „Die Regierung kann sich keine negative Presse leisten. Nepal ist vollkommen vom Tourismus abhängig.“ Überhaupt hätten die Verantwortlichen versagt, kritisiert die Bizauerin. Bis vor Kurzem konnten religiöse Festivals mit Tausenden Teilnehmern stattfinden, die Menschen seien nicht über das Risiko informiert worden. „Außerdem hat Nepal die Grenzen zu Indien überhaupt nicht kontrolliert.“ Als die Regierung in Neu-Delhi in mehreren großen Städten Lockdowns verhängte, flüchteten zahlreiche nepalesische Wanderarbeiter nach Hause. Somit sei es kein Wunder, dass die rasant steigenden Coronazahlen in Indien sich auch massiv auf das Nachbarland ausgewirkt haben.

Um den Menschen in Nepal zu helfen, hat sich Klotz‘ Organisation Chay Ya Austria mit anderen Vereinen und Helfern aus Vorarlberg zu einem gemeinsamen Spendenaufruf zusammengeschlossen. Beteiligt sind Rokpa Österreich, Let the children walk, Dhanyabad von Elmar und Maya Müller, Klaus Zitt sowie Theo Fritsche. Auch das Land Vorarlberg will sich im Rahmen der humanitären Hilfe an einer von Chay Ya geplanten Unterstützung von zehn Quarantänestationen beteiligen. In der ersten Coronawelle 2020 leistete die Hilfsorganisation fast 100.000 Euro Nothilfe. Damit wurde zum Beispiel Schutzausrüstung für Klinikpersonal eingekauft. Das soll nun ausgeweitet werden. Mittlerweile würden sich Sanitäter nämlich wegen fehlender Ausrüstung nicht mehr trauen, die Patienten ins Krankenhaus zu fahren, sagt Klotz. „Viele Junge sind bereits gestorben. Es herrscht Panik. Die Menschen haben Angst, ihr Haus zu verlassen.“
Spendenaufruf
Spendenkonto Chay Ya, Raiffeisenbank am Bodensee
IBAN: AT50 3743 1000 0032 2974 BIC: RVVGAT2B431
Spenden unter dem Betreff „Coronahilfe Vorarlberg“ gehen zu gleichen Teilen an die sechs Initiativen.