Freie Fahrt nach Deutschland ab Mitternacht: Für Getestete, Genesene und Geimpfte

Politik / 12.05.2021 • 14:10 Uhr
Freie Fahrt nach Deutschland ab Mitternacht: Für Getestete, Genesene und Geimpfte
Der kleine Grenzverkehr wird wieder erlaubt, aber nur unter Einhaltung der 3G-Regel. VN/SAMS

Österreich lenkt ein. Kleiner Grenzverkehr wird um Mitternacht geöffnet.

Wien Die Grenzen öffnen, sie öffnen nicht. Die Grenzen öffnen. Binnen 24 Stunden kann sich vieles ändern, so leistet die österreichische Bundesregierung in dieser Zeit den Ankündigungen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) doch noch Folge. Söder erklärte am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), den kleinen Grenzverkehr zwischen Bayern und Österreich wieder zu erlauben. Dem Vernehmen nach soll er das ziemlich spontan verkündet haben, woraufhin die Bundesregierung zuerst auf der Bremse stand.

Einen Tag später lenken Kurz und Co. doch noch ein. Ab heute, Donnerstag, sind Besuche bei Freunden oder kurze Einkaufsausflüge in Deutschland wieder erlaubt. Die Quarantänepflicht entfällt. Über die Grenze dürfen alle, die getestet, geimpft oder genesen sind. Das gilt übrigens nicht nur für Bayern, sondern auch für die anderen deutschen Bundesländer.

„Bayern hat am Dienstag gemeint, dass die Österreicher wieder kommen dürfen und wir werden jetzt sicherstellen, dass sie auch wieder zurückkehren können“, erklärte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Mittwoch. Für Einreisende aus Deutschland werde die für 19. Mai geplante Regel vorgezogen, wonach eine Einreise mit Immunitätsnachweis ohne darauffolgende Quarantäne möglich ist, heißt es in seinem Ressort: „Das betrifft alle, die sich in den vergangenen zehn Tagen ausschließlich in Deutschland oder Österreich aufgehalten haben. Die neue Regelung soll bereits am Donnerstag, dem 13.5., null Uhr in Kraft treten.“ Die österreichische Verordnung stimmt in ihren Grundzügen somit mit der deutschen überein. „Wir arbeiten intensiv an einer Lösung“, erklärt eine Sprecherin von Wolfgang Mückstein. Die Details werden noch im Laufe dieses Mittwochs erwartet.

Deutschland nimmt all jene von der Quarantänepflicht aus, die „sich im Rahmen des Grenzverkehrs weniger als 24 Stunden in einem Risikogebiet aufgehalten haben oder für bis zu 24 Stunden in die Bundesrepublik Deutschland einreisen“. Ein Test-, Genesungs- oder Impfnachweis ist Voraussetzung, nur nicht für Unter-Sechsjährige.

Als geimpft gelten nach deutschen Vorgaben jene, deren vollständige Immunisierung (in der Regel die Zweitimpfung) mehr als zwei Wochen zurückliegt. In Österreich wird man bereits ab dem 22. Tag nach der Erstimpfung als geimpft eingestuft. Als Testnachweise sind Antigentests aus einer Teststation (48 Stunden) und PCR-Tests (72 Stunden) erlaubt. Als Genesenennachweis dient laut deutscher Verordnung der Nachweis einer Infektion in den vergangenen sechs Monaten. In Österreich sind auch Antikörpertests zulässig, die neutralisierende Antikörper nachweisen.

Für die Schweiz und für Liechtenstein, die unter anderem die Vorarlberger seit langer Zeit von strikteren Einreiseregeln ausnehmen, ist keine Änderung geplant, wie die VN in Erfahrung bringen konnten. Spätestens ab 19. Mai wird aber auch hier der kleine Grenzverkehr wieder möglich sein. Laut aktuellen Infektionszahlen zählen die Schweizer und Liechtensteiner nämlich zu den Ländern der künftigen Kategorie eins. Das ist die geringste Sicherheitsstufe. Sie bietet freie Fahrt für alle – vorausgesetzt sie sind getestet, genesen oder geimpft.

Wir freuen uns schon auf die deutschen Gäste. Sie sind in der Alltagsgastronomie in Bregenz sehr wichtig. Der kleine Grenzverkehr wird unsere Auslastung wieder erhöhen. Die große Hilfe kommt aber am 19. Mai, mit der Sperrstunde um 22 Uhr, der Regel, dass Geimpfte keinen Test mehr brauchen und Gäste aus mehreren Haushalten an einem Tisch erlaubt sind. So können viele unserer Stammkunden wieder jassen. Diese Regeln sind mindestens so wertvoll wie die Öffnung des kleinen Grenzverkehrs. Ab dem 19. Mai können wir auch wieder daran denken, unser Angebot auszuweiten, mehr Ware bei den Lieferanten zu bestellen und vor allem mehr Mitarbeiter zu beschäftigen. Jeder Mosaikstein ist wichtig für uns, auch für die Gäste. Man geht ja auch lieber in ein belebtes Lokal. Vor allem während der Woche fehlt derzeit die Auslastung. <strong>Andrea Kinz, Gastronomin in Bregenz, u.a. Hirschen</strong>
Wir freuen uns schon auf die deutschen Gäste. Sie sind in der Alltagsgastronomie in Bregenz sehr wichtig. Der kleine Grenzverkehr wird unsere Auslastung wieder erhöhen. Die große Hilfe kommt aber am 19. Mai, mit der Sperrstunde um 22 Uhr, der Regel, dass Geimpfte keinen Test mehr brauchen und Gäste aus mehreren Haushalten an einem Tisch erlaubt sind. So können viele unserer Stammkunden wieder jassen. Diese Regeln sind mindestens so wertvoll wie die Öffnung des kleinen Grenzverkehrs. Ab dem 19. Mai können wir auch wieder daran denken, unser Angebot auszuweiten, mehr Ware bei den Lieferanten zu bestellen und vor allem mehr Mitarbeiter zu beschäftigen. Jeder Mosaikstein ist wichtig für uns, auch für die Gäste. Man geht ja auch lieber in ein belebtes Lokal. Vor allem während der Woche fehlt derzeit die Auslastung. Andrea Kinz, Gastronomin in Bregenz, u.a. Hirschen
Die Nachricht ist erfreulich. Für den Handel sind mit der Öffnung des kleinen Grenzverkehrs zu Bayern aber nicht enorme Impulse zu erwarten, denn der Kaufkraftzufluss aus Bayern ist überschaubar. Aber wer weiß, die Deutschen haben vermutlich auch ein hohes Bedürfnis wieder in andere Länder zu kommen. Davon werden aber eher die Gastronomie oder die Bergbahnen, die bereits offen haben, profitieren. Für den Ausflugsverkehr ist die Öffnung des kleinen Grenzverkehrs sicher ein großer Impuls. Aus Sicht des Vorarlberger Handels wäre es viel wichtiger, dass die Grenzen zur Schweiz so bald wie möglich geöffnet werden. Da sind unsere treuen und wichtigen Kunden. <strong>Michael Tagwerker, Wirtschaftskammer Vorarlberg, Sparte Handel</strong>
Die Nachricht ist erfreulich. Für den Handel sind mit der Öffnung des kleinen Grenzverkehrs zu Bayern aber nicht enorme Impulse zu erwarten, denn der Kaufkraftzufluss aus Bayern ist überschaubar. Aber wer weiß, die Deutschen haben vermutlich auch ein hohes Bedürfnis wieder in andere Länder zu kommen. Davon werden aber eher die Gastronomie oder die Bergbahnen, die bereits offen haben, profitieren. Für den Ausflugsverkehr ist die Öffnung des kleinen Grenzverkehrs sicher ein großer Impuls. Aus Sicht des Vorarlberger Handels wäre es viel wichtiger, dass die Grenzen zur Schweiz so bald wie möglich geöffnet werden. Da sind unsere treuen und wichtigen Kunden. Michael Tagwerker, Wirtschaftskammer Vorarlberg, Sparte Handel