Gewalt gegen Frauen geht uns alle an
Es sind schon neun Fälle dieses Jahr und immer wieder ist es grauenvoll, wenn man die Meldung liest: „Frau von Partner (oder Ex-Partner) ermordet.“ Vergangene Woche wurde eine Frau in Wien von ihrem ehemaligen Lebensgefährten erschossen. Der mutmaßliche Täter ist jener Gastronom, der durch den Prozess gegen die grüne Klubobfrau Sigrid Maurer fragwürdige Bekanntheit erlangt hatte – der „Bierwirt“ soll Maurer obszöne Nachrichten geschickt haben. Maurer äußerte sich am Tag nach dem Mord erstmals auf der Social-Media-Plattform Twitter: „Dass es sich beim Täter offenbar um den Bierwirt handelt, schockiert mich persönlich, ist in der Sache aber unerheblich. Wir kennen die Mechanismen hinter der Gewalt: Frauenverachtung, Unfähigkeit, Konflikte gewaltfrei zu lösen, die Wahrnehmung, Männer wären Frauen übergeordnet.“
Faktisch wöchentlich wird eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner lebensgefährlich verletzt oder ermordet.
Tatsächlich zeigt der neue Fall gewisse alte Muster, die oft bei den Ermittlungen nach so einer Tat zutage treten. In der Beziehung kam es zu Gewalt gegen das spätere Mordopfer, das Aggressionspotential des mutmaßlichen Mörders war bekannt. Wenn man mit Expertinnen und Experten im Gewaltschutzbereich spricht, analysieren sie häufig eine tiefe Frauenverachtung bei Tätern, die dann im Extremfall zum Mord führt. Diese Geschichten wiederholen sich leider, zu Beginn des Jahres 2019 gab es eine Häufung von Femiziden, Frauenmorden. Damals forderten die Frauenhäuser gemeinsam mit der Türkischen Kulturgemeinde die türkis-blaue Regierung auf, Frauen ernst zu nehmen, wenn sie Anzeigen erstatten: Faktisch wöchentlich werde eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner lebensgefährlich verletzt oder ermordet.
Gemeinsam gegen Gewalt
Männer aus patriarchalischen Strukturen haben vielfach ein anderes Frauenbild, als man es sich in einer aufgeklärten Gesellschaft wünscht. Doch Alexander Haydn, Psychotherapeut und Vorstandsmitglied der Wiener Männerberatung, analysierte nach der Mordwelle 2019, dass man häusliche Gewalt nicht daran festmachen könne, ob es In- oder Ausländer seien – Gewalt habe meist mit patriarchalen Strukturen zu tun, unabhängig von der Nationalität. Viele Männer denken natürlich nicht in solchen Mustern, sie können gute Verbündete im gemeinsamen Kampf gegen die Gewalt sein.
Österreich weise trotz guter Gesetze Lücken im Sicherheitssystem für Frauen auf, meinen die Expertinnen der Wiener Interventionsstelle und fordern eine ständige Kommission zur Verhinderung von Femiziden unter Einbeziehung der Frauen- und Opferschutzeinrichtungen. Die türkis-grüne Koalition will jetzt ein Maßnahmenpaket zum Schutz von Frauen beschließen. Und eine große Kampagne soll für mehr Bewusstsein zum Thema Femizid sorgen – ein Wort, das vielen bisher wohl nicht geläufig war.
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