Peter Schröder

Kommentar

Peter Schröder

Nothilfe für Menschlichkeit

Politik / 15.03.2021 • 10:30 Uhr

Am amerikanischen Wesen soll die Welt genesen? Das erste Pandemiejahr mit “dem anderen Typen” im Weißen Haus an der Spitze ist ein abschreckendes Beispiel. Mit dem gerade seit 55 Tagen regierenden neuen US-Präsidenten Joseph Biden wird die Sache schon realistischer.

Zum Belegen der Hoffnung muss man/frau außerhalb der USA nicht die inzwischen wohlbekannte Litanei herunterbeten: Die wiederbelebte Tradition der partnerschaftlichen internationalen Zusammenarbeit, die Washingtoner Rückkehr zum Klimaabkommen sowie zur Weltgesundheitsorganisation, und der Verlängerung von Abrüstungsabkommen sind nur einige Beispiele. Das neueste ist das 1.900 Milliarden Dollar (1.590 Milliarden Euro) Staatsausgaben umfassende US-Hilfsprogramm zur Überwindung der Folgeschäden der Pandemie. Der britische “Guardian” urteilte: “Biden unterschreibt einen Scheck für die USA und den Rest der Welt”.

Die Riesensumme belebt nicht nur die amerikanische, sondern automatisch auch die Wirtschaft in den meisten Ländern der Welt.

Denn die Riesensumme in die Taschen der meisten US-Bürger und die Kassen von Unternehmen belebt nicht nur die amerikanische, sondern automatisch auch die Wirtschaft in den meisten Ländern der übrigen Welt: Die USA werden wegen gesteigerter Nachfrage mehr importieren und mehr exportieren. Nach Schätzung der OECD werden die Milliarden Washingtons in der Weltwirtschaft einen zusätzlichen Wachstumsschub von 1,2 Prozent auslösen. In den Ländern der EU einen von durchschnittlich 0,5 Prozent. Das klingt nach nicht sehr viel, aber in der Praxis wird das in den USA und bei den internationalen Handelspartnern die Schaffung von Millionen neuer und die Sicherung von vielen gefährdeten Arbeitsplätzen, sowie einen Rückgang der Armut und mehr Wohlstand für Viele bedeuten.

Wie bei jedem Zuwachs an Wirtschaftsleistung sind weltweit auch positive sozioökonomische Folgen zu erwarten: Beispielsweise geringere Altersarmut, längere durchschnittliche Lebenserwartung, Abnahme von Säuglingssterblichkeit, weniger Suizide und Gewaltkriminalität, sowie mehr generelle soziale Sicherheit. Besonders deutlich wird sich das in etlichen “unterentwickelten” Ländern der sogenannten Dritten Welt bemerkbar machen. In vielen dieser Staaten kann das alles langfristig als Nebeneffekt auch zu einem Rückgang der bislang als notwendig empfundenen Wirtschaftsemigration mit dem Zuzug von Emigranten in den Industrieländern führen.

Alles in allem also: Mit dem gigantischen amerikanischen Hilfsprogramm zur Linderung der katastrophalen menschlichen und wirtschaftlichen Folgen der Covid-Pandemie wird die Welt immer noch nicht am amerikanischen Wesen genesen. Aber es ist ein begrüßenswerter Beitrag zu weltweiter Verantwortung und mehr Menschlichkeit.