Gerangel um Impfstoff

Worauf manche EU-Staaten verzichteten, kauften andere ein.
Wien 1,4 Milliarden Impfdosen hat sich die EU-Kommission von jenen vier Anbietern gesichert, deren Mittel in der EU bereits zugelassen sind. Österreich hat Anspruch auf zwei Prozent davon. Das heißt, über 4,2 Millionen Menschen sollten bis Ende Juni geimpft werden können. Die Impfdosen von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca reichen für etwas mehr als 3,6 Millionen Österreicher im ersten Halbjahr. Vom neu zugelassenen “Johnson & Johnson” erwartet das Gesundheitsministerium im zweiten Quartal eine Lieferung von 600.000 Dosen. Österreich habe sein Kontingent auf EU-Ebene immer voll ausgeschöpft. Theoretisch wäre aber mehr drinnen gewesen.
Malta hat etwa drei Mal so viel erhalten, als ihm laut Verteilungsschlüssel zugestanden wäre. Bei Lettland ist es mit einem Drittel genau umgekehrt. Die Lieferung für Österreich betrug ziemlich exakt, was der Republik laut Bevölkerungsanteil zusteht, nämlich zwei Prozent der knapp 60 Millionen ausgelieferten Impfdosen.
Das Bundeskanzleramt hat diese Lieferdaten zusammengetragen, um die unterschiedliche Verteilung zu veranschaulichen. Sie widerspreche den Vereinbarungen der Staats- und Regierungschefs, kritisiert Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Er vermutet Nebenabsprachen mit Pharma-Firmen. Der österreichische Verband der Pharmazeutischen Industrie und der Impfstoffhersteller widerspricht. Auch die EU-Kommission erklärt, dass ein neuer Verteilungsschlüssel entstanden sei, weil sich manche Staaten eben für weniger Impfdosen entschieden hätten.
Schöpft ein EU-Land sein Kontingent nicht aus, können sich die andere um dieses bemühen. Das sei schon vorgekommen, wird den VN aus EU-Kommissionskreisen bestätigt – unter anderem, weil manche den Impfstoff von Biontech/Pfizer im Vergleich zu AstraZeneca für zu teuer hielten. Österreich hat von dieser Option keinen Gebrauch gemacht. “Wir sind genau auf EU-Kurs gefahren und haben fair bestellt”, sagt ein Sprecher des Gesundheitsressorts. Wichtig sei, dass die Bestellungen fair geliefert würden und nicht jene mit kleineren Aufträgen automatisch von Beginn an weniger erhalten. Das könnte zumindest ein Grund für die deutlichen Unterschiede zwischen Ländern wie Malta und Lettland sein.
Laut EU-Kommission bleibt es weiter das Ziel, bis Ende Sommer 70 Prozent der Erwachsenen in der EU zu impfen. Voraussetzung ist, dass die Hersteller liefern. AstraZeneca macht wieder Probleme. Laut EU-Kreisen drohen zehn von 40 Millionen Dosen im ersten Quartal wegzubrechen. Das Gesundheitsressort geht aber noch von den bis Ende März versprochenen 780.000 Dosen aus. Für April liege aktuell kein fixer Lieferplan von AstraZeneca vor, von Biontech/Pfizer und Moderna hingegen schon.