Mutmaßlicher Angreifer in Wien war österreichischer Staatsbürger

Politik / 03.11.2020 • 10:16 Uhr
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Am letzten Abend vor dem Lockdown sind viele Menschen in der Wiener Innenstadt unterwegs, als es dort zu einer Attacke kommt. Die Behörden untersuchen, ob weitere Angreifer flüchtig sein könnten.

Wien Bei einem mutmaßlichen Terroranschlag nahe der Hauptsynagoge von Wien hat es mindestens fünf Tote und viele Verletzte gegeben. Ein mutmaßlicher Angreifer war nach Behördenangaben mit Sturmgewehr und unechter Sprengstoffweste ausgerüstet und wurde von der Polizei erschossen. Der Verdächtige sei ein Sympathisant der Terrorgruppe Islamischer Staat gewesen, sagte der österreichische Innenminister Karl Nehammer. Der 20-Jährige habe die österreichische und nordmazedonische Staatsbürgerschaft gehabt.

Der Mann sei wegen Terrorismus verurteilt gewesen, sagte Nehammer der Nachrichtenagentur APA. Es habe 15 Hausdurchsuchungen gegeben. Es seien mehrere Personen festgenommen worden. Die Behörden untersuchten laut Nehammer, ob weitere Angreifer flüchtig sein könnten. Bewohner von Wien wurden aufgefordert, am Dienstag zu Hause zu bleiben.

17 Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt, APA meldete, dass laut dem örtlichen Krankenhausdienst sieben Personen lebensbedrohlich verletzt seien. Nach dem Anschlag am Montagabend seien zwei Männer und zwei Frauen ihren Verletzungen erlegen, sagte Nehammer.

Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach von einem “widerwärtigen Terroranschlag”, durch den sich das Land jedoch nicht einschüchtern lassen werde.

Kurz nach 20.00 Uhr am Montag waren Schüsse nahe der Hauptsynagoge im Stadtzentrum gefallen. Nach Polizeiangaben wurde der mutmaßliche Attentäter um 20.09 Uhr erschossen.

In nicht verifizierten Aufnahmen in sozialen Medien war ein Bewaffneter in den Straßen zu sehen, der offenbar willkürlich auf Menschen schoss. Es war unklar, ob es sich in den Videos um dieselbe Person handelte.

Rabbi Schlomo Hofmeister beobachtete nach eigenen Angaben, wie auf der Straße mindestens eine Person auf Menschen geschossen habe, die vor Bars gesessen hätten. Es sei der letzte Abend vor dem Beginn eines neuen Lockdowns zur Eindämmung des Coronavirus gewesen, sagte Hofmeister weiter.

Kanzler Kurz schrieb auf Twitter, dass der Schutz wichtiger Objekte in Wien dem Bundesheer übertragen worden sei, damit sich die Polizei ganz auf die Terrorismusbekämpfung konzentrieren könne. Rund 1000 Polizisten waren am Dienstagmorgen in Wien im Einsatz.

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, erklärte, noch sei unklar, ob die Hauptsynagoge Ziel des Anschlags gewesen sei. Zum Zeitpunkt der ersten Schüsse seien sowohl die Synagoge als auch das Bürogebäude an derselben Adresse geschlossen gewesen, schrieb Deutsch auf Twitter.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron bekundete Solidarität mit Österreich. Die Franzosen teilten den Schock und den Kummer des österreichischen Volkes, twitterte Macron. US-Präsident Donald Trump sicherte Österreich die Unterstützung der USA im Kampf gegen Terrorismus zu. “Unsere Gebete sind bei den Menschen in Wien nach einem erneuten abscheulichen Akt des Terrorismus in Europa”, twitterte Trump am Montagabend. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Angriff.

Dreitägige Staatstrauer

Österreich ehrt die Opfer des Terrorakts vom Montagabend mit einer dreitägigen Staatstrauer. Das beschloss der Sonder-Ministerrat am Dienstag in Wien. “Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Opfern, den Verletzten und den Angehörigen in diesen besonders schweren Stunden für die Republik Österreich”, sagte Kanzler Sebastian Kurz vor dem Kabinett.

Die Staatstrauer gilt bis einschließlich Donnerstag. Die Ereignisse hätten das Land schwer erschüttert und betroffen gemacht. Es handele sich bei der Attacke um eine “abscheuliche Tat” und “einen Anschlag auf die Freiheit und Demokratie der Republik Österreich”, so der Regierungschef.

Am Dienstag, dem ersten Tag der Staatstrauer, sollte um 12 Uhr eine “Minute des stillen Gedenkens” eingehalten werden. Auch die Schulen sollen zu Beginn des Unterrichts am Mittwoch eine Gedenkminute einhalten. APA