Die Schweiz muss härter durchgreifen

Zu viele Neuinfektionen: Ohnehin verschärfte Maßnahmen reichen nicht.
Wien Zwei Welten am Bodensee: In den süddeutschen Landkreisen gibt es relativ wenig Coronafälle. Einzig Lindau liegt über der kritischen Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. Ravensburg und die Region um Friedrichshafen halten bei 27. Das wirkt fast schon idyllisch im Vergleich zu Vorarlberg (207), ganz zu schweigen von der Schweiz und Liechtenstein, wo diese Inzidenz am Freitag über 300 hinausgeschossen ist.
Vor wenigen Wochen habe man noch gemeint, die Pandemie besser im Griff zu haben als andere Länder, so der eidgenössische Gesundheitsminister Alain Berset: „Nun haben wir eine der schlechtesten Lagen in Europa.“ In den vergangenen sieben Tagen wurden fast 30.000 Neuinfektionen bestätigt, allein am Freitag handelte es sich um 6592.
Die Spitäler füllen sich: Martin Ackermann vom wissenschaftlichen Beraterstab der Regierung berichtet, dass sich die Hospitalisierungen ebenso jede Woche verdoppeln würden wie der Todesfälle. Das müsse gestoppt werden: Auf den Intensivstationen sei in zwei, drei Wochen eine kritische Kapazität erreicht.
Die Schweiz hat erst vor wenigen Tagen neue Beschränkungen fixiert. Versammlungen mit mehr als 15 Teilnehmern sind verboten, die Maskenpflicht ist ausgeweitet. Zudem wird dringend ersucht, zu Hause zu arbeiten. Genug? Ackermann hat eine unmissverständliche Antwort darauf: „Nein, wir sind der Überzeugung, dass diese Maßnahmen bei weitem nicht reichen.“
Kommende Woche tritt die Regierung zusammen, um Konkreteres zu klären. Einzelne Kantone warten nicht, sondern werden selbst aktiv. Neuenburg hat am Freitag verkündet, Zusammenkünfte von mehr als zehn Personen zu verbieten. Außerdem werden Schwimmbäder und Fitnesscenter geschlossen sowie die Ausübung von Team- und Kontaktsportarten wie Fußball und Boxen untersagt. Ähnliches wurde auch in Freiburg und Jura beschlossen.
Im Kanton St. Gallen gab es in den vergangenen sieben Tagen 1641 Neuinfektionen. Das entspricht 323 pro 100.000 Einwohner, also eineinhalb Mal mehr als in Vorarlberg. Wie das Nachrichtenprotal „FM1Today“ berichtet, gibt es Personalprobleme, um genügend Tests durchführen zu können. Daher solle nun der Zivilschutz einspringen.
Nicht besser ist die Lage im Fürstentum Liechtenstein. Dort hat man aufgehört, in den täglichen Berichten anzuführen, wo sich positiv Getestete infiziert haben dürften. Es sind zu viele geworden. Allein gestern handelte es sich um 42. Der Zuwachs pro 100.000 Einwohner und Woche erreichte einen Wert von 341.