Registrierungspflicht, keine Garagenfeste: So verschärft das Land die Regeln

Das sind die Maßnahmen, die Landeshauptmann Markus Wallner auf einer Pressekonferenz bekanntgab.
Bregenz “Wir müssen diese Situation sehr ernst nehmen und wir bitten, die Maßnahmen die wir jetzt vorstellen auch umzusetzen”, betont Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) am Montagnachmittag. Ansonsten drohe man, in wenigen Wochen wieder vor bedenklichen Situationen in den Krankenhäusern und Intensivstationen zu stehen. Vorarlberg müsse bereits jetzt die nächsten Tage mit Neuinfektionszahlen von 100 bis 120 Personen pro Tag erwarten. Ohne weitere Maßnahmen würden die Infektionszahlen noch stärker ansteigen. Schließlich habe sich die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen zwei Wochen verdoppelt. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist ebenfalls wenig aufbauend, schließlich bewege sich Vorarlberg bereits bei über 150. Beruhigend sei, dass die Auslastung der Intensivbetten noch keine Sorgen bereite, bei einem Durchschnittsalter der Patienten von rund 40 Jahren. Dass dies jedoch auch künftig so sein wird, ist nicht gesichert. Auch nicht, dass durch die Auslastung der Intensivstationen selbst notwendige Operationen nicht wieder verschoben werden müssen.
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Um dem entgegenzuwirken, benötige es auch teilweise unpopuläre Maßnahmen. Ergänzend zu den Bundesmaßnahmen, die Wallner dezitiert begrüßt, folgen noch weitere Verschärfungen. Die Veranstaltungsgrenze von 500 Personen outdoor und 250 indoor bleibe aufrecht. Zusätzlich wird in Vorarlberg, in Abstimmung mit Tirol und Salzburg, die Regristierungspflicht in Gaststätten ab Freitag 00:00 Uhr eingeführt, die Gastronomievertreter seien bereits informiert worden. Die Sperrstunde bleibe bei 22 Uhr. Der private Bereich sorge jedoch immer noch für die meisten Cluster. “Es geht die dringende Bitte an alle in der Bevölkerung, private Feiern in den eigenen Räumen nach Möglichkeit einzustellen”, bittet Wallner um Verständnis für präventive Maßnahmen. “Schränken Sie private Kontakte auch speziell über die Feiertage ein.” Verboten werden private Feste in Räumen, die nicht für Wohnzwecke verwendet werden. Damit sollen Garagenfeste oder die Anmietung von Scheunen für Feiern verhindert werden. Bei den Vereinen werde sich wenig ändern, diese können sich jedoch nur noch zur Erfüllung des Vereinszweckes im engeren Sinne treffen können. Vereinsfeiern sind damit verboten, Treffen im Verein unterliegen ansonsten den nun kommenden Regeln. Chorprobe mit MNS und Sitzplatzkarten also. In den Pflegeheimen bleibe man bei den aktuellen Vorgaben, bei einer Einstufung Vorarlbergs auf Rot wieder in den höheren Schulen wieder auf Homeschoolung umgestellt.
Landessanitätsdirektion Wolfgang Grabher zog Bilanz, der Sommer sei stabil und ruhig gewesen, mit etwa 200 Neuinfektionen pro Woche. Nun steigen die Infektionszahlen rasant. Derzeit sind 500 Personen pro Woche neu infiziert. Auch die “Positivity Rate”, wieviele der getätigten Tests sind tatsächlich positiv, sei bedenklich. Eine Quote von 5 Prozent gilt als Grenze einer Durchseuchung. Diese Grenze habe man vor vier Tagen überschritten – und ist auch eine Kriterium für eine Rotschaltung einer Region. Nur dank der Altersstruktur habe man weniger Patienten in krankenhäuslicher Behandlung. Dies zeigt auch das Alter der Intensivpatienten, das von 60 bis zu 85 Jahren reiche. Dies erinnere aber ebenfalls daran, dass man gerade die älteren Patienten vor einem solch drohenden schweren Verlauf schützen müsse. Grabher vermutet, dass die Verlagerung von Freizeitaktivitäten in die Innenräume während der kalten Jahreszeit zu den steigenden Zahlen beigetragen haben dürfte. Bislang würden sich jedoch die Infektionsketten zum überwiegenden Teil nachvollziehen lassen. Kritisch wäre es, wenn man bei jedem zweiten Fall nicht mehr sagen könnte, wo sie sich infiziert habe.
Auch Landesrätin Martina Rüscher bittet um das Vertrauen der Bevölkerung: “Wir alle haben das selbe Ziel: Die Vorarlberger zu schützen – ihre Gesundheit und ihre Arbeitsplätze.” Dafür müsse jeder einen Teil der Verantwortung tragen, schwört sie die Vorarlberger auf die Maßnahmen ein. “Auch wenn Sie es nicht für sich tun, tun sie es für Ihre Mitmenschen.” Der Virus sei eben gefährlicher als die Grippe und verschwinde auch nicht wie dieser nach Ende seiner Saison. 80 Prozent der positiv getesteten Personen zeigen auch Symptome. Kinder gelten nicht mehr als Infektionstreiber. Kinder unter zehn Jahren werden nicht mehr regelmäßig getestet und nicht mehr gruppenweise abgesondert. Minderjährige über zehn Jahren werden nur noch bei positiven Tests abgesondert. Derzeit sind 1585 Personen in Absonderung, diese Zahl soll nun durch die Maßnahmen wieder sinken.
Ob das Notversorgungszentrum wieder aufgebaut wird, ist noch offen. Währenddessen werden jedoch weniger Betten für Covidfälle reserviert und in den Spitälern nach Möglichkeit die Warteliste auf Operationen möglichst schnell abzuarbeiten. Ähnliches gelte auch für die Hilfe bei psychischen Probleme, hier habe man ebenfalls die Kapazitäten erweitert. “Suchen Sie sich vielleicht eine Partnerfamilie und unternehmen sie nur mit dieser Aktivitäten”, empfiehlt Rüscher Familien mit Kindern. So lasse sich die Zahl der Infizierten niedrig halten. Man soll trotz allem nach Möglichkeit die heimische Gastronomie, Handel und Vereine zu unterstützen.
Nun müsse sich zeigen, ob die Maßnahmen greifen. Wallner will nicht ausschließen, dass in den nächsten zwei Wochen Vorarlberg rot eingestufte Bezirke vorzuweisen haben wird. Hier gelte es auch, der Corona-Müdigkeit der Bevölkerung entgegenzuwirken.
„Einheitliches System wichtig“
In der Gastronomie herrscht Alarmstimmung. Dabei fällt die verpflichtende Gästeregistrierung nicht mehr so stark ins Gewicht, sagt Markus Kegele, Spartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer. Die Registrierung sei in Deutschland schon viele Monate Standard. „Für uns ist nur ein einheitliches System wichtig.“ Mehr Kopfzerbrechen bereitet dem Hotelier die Sperrstunde um 22 Uhr sowie ausbleibende deutsche Gäste. Dass im Nachbarland bald eine verpflichtende fünftägige Quarantäne bei der Rückkehr drohe, belaste Tourismus und Gastronomie. Die Sperrstunde sei überhaupt kontraproduktiv, meint Kegele. „Die meisten Cluster gibt es im privaten Bereich, nicht in der Gastronomie und der Hotellerie. Wenn die Menschen um 22 Uhr heimgehen müssen, feiern sie eben zu Hause weiter.“ Schon eine Verlegung um eine Stunde auf 23 Uhr würde der Branche helfen und mehr Kontrolle ermöglichen, ist sich der Hotelier sicher. VN-ram