Gästezahl bei privaten Feiern im Visier der Politik

Politik / 15.10.2020 • 23:30 Uhr
<p class="caption">Die Sperrstunde bleibt bei 22 Uhr. In der Gastronomie herrscht Unverständnis. <span class="copyright">VN/Sams</span></p>

Die Sperrstunde bleibt bei 22 Uhr. In der Gastronomie herrscht Unverständnis. VN/Sams

Debatte über strengere Regeln. Gästeregistrierung bald auch in Vorarlberg.

Wien Die Corona-Ampel leuchtet in vier Bezirken erstmals rot. Die Gemeinde Kuchl im Salzburger Tennengau ist unter Quarantäne. Die Behörden melden mit 1552 registrierten Neuinfektionen einen neuen Höchstwert. Tirol und Salzburg verschärfen die Einschränkungen. Die Sperrstunde bleibt in Vorarlberg bei 22 Uhr. Über strengere Regeln wird auf allen Ebenen diskutiert, berichtet Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP). Dramatische Verschärfungen sieht er aber kritisch.

Homeschooling

Homeschooling gibt es in Vorarlberg vorerst nicht, sagt Wallner: “Wir wollen die Schulen nicht schließen.” In manchen Tiroler und Salzburger Bezirken müssen die Schüler ab der neunten Schulstufe ab Montag hingegen wieder zu Hause lernen. 

Eingriffe ins Private?

Der Privatbereich bereitet dem Landeshauptmann unterdessen die größten Sorgen. “Wir haben immer weniger Clusterbildungen im öffentlichen Raum und immer mehr positive Fälle im privaten Umfeld.” Allerdings sei es schwierig, hier einzugreifen. Bund und Länder führten bereits Gespräche über mögliche Lösungen. Zum Beispiel könnte die Gästezahl für private Feiern im öffentlichen Raum sinken. “Die Zehnerregel wird diskutiert.” In Bayern werden private Feiern auf fünf Personen begrenzt, wenn die Sieben-Tages-Inzidenz über 50 steigt. Auch über das belgische Modell mit einer Beschränkung von Kontaktpersonen werde diskutiert. 

Sperrstunde

Die Sperrstunde bleibt hingegen, wie sie ist: von Vorarlberg bis Salzburg bei 22 Uhr. In der Gastronomie herrscht Unverständnis. “Viele Betriebe haben keine Luft mehr”, erklärt Fachgruppenobmann Mike Pansi (Pansis). Allein in den vergangenen drei Wochen habe die Branche 630 neue Arbeitslose gezählt. Dennoch sei die Landesregierung nicht einmal auf den Kompromissvorschlag von 23 Uhr eingegangen. “Jetzt geht die unkontrollierte Abwanderung in den privaten Bereich und in die benachbarte Schweiz weiter”, kritisiert der stellvertretende Spartenobmann Stefan Köb (Pier69).

Registrierungspflicht

In Tirol und Salzburg herrscht in der Gastronomie bald Registrierungspflicht. “In Vorarlberg wären wir auch bereit”, sagt der Landeshauptmann. “Eine Registrierung halte ich für richtig. Aber es muss keine gesetzliche Vorschrift sein, kein Zwang.” Im Zuge der Winterstrategie werden kommende Woche weitere Gespräche mit Branchenvertretern geführt. Ob das Land eine digitale Lösung mitfinanzieren würde? “Wir wären zu allem bereit.”

Veranstaltungen

Für Veranstaltungen gelten im Land fast die strengsten Regeln: mit zugewiesenen Sitzplätzen sind indoor 250 Personen erlaubt und im Freien 500. Tirol und Salzburg waren bisher großzügiger, ziehen nun aber nach. In Salzburg werden Veranstaltungen ohne zugewiesene Sitzplätze überhaupt verboten. Ob das für Vorarlberg in Frage kommt, lässt Wallner offen. Zumindest ein wenig klingt Skepsis durch: “Wir prüfen, ob schärfere Regeln für uns tauglich sind.” An und für sich komme man mit den bestehenden Regeln gut zurecht.

Gesundheitssystem

Im Land sind ausreichende Spitalskapazitäten vorhanden, sagt Wallner. Es gebe noch keinen Grund zur Sorge. Die Trennung der Infektionsketten funktioniere gut. “Das Virus überrollt uns nicht, daher auch die Zurückhaltung bei dramatischen Verschärfungen.”