Warum die Reisewarnung noch länger bleiben könnte

Politik / 02.10.2020 • 20:00 Uhr
Warum die Reisewarnung noch länger bleiben könnte
So lange in Vorarlberg die Inzidenz im Bereich des deutschen Grenzwertes von 50 bleibt, besteht kaum Hoffnung, dass die Reisewarnung fällt. VN

Vorarlberg liegt wieder über deutschem Grenzwert, der für eine Reisewarnung relevant ist.

SCHWARZACH Das Infektionsgeschehen wirkt unberechenbar. Im Guten, wie im Schlechten. Diese Erfahrung müssen Vorarlberg und seine Bezirke gerade machen. Das Land verzeichnete im September einen Zuwachs bestätigter Fälle pro 100.000 Einwohner und Woche von bis zu 74. Von Deutschland ist es daher zu einem Risikogebiet erklärt und mit einer Reisewarnung versehen worden. Als Grenzwert gilt in Berlin eine sogenannte Inzidenz von 50.

Zuletzt war Vorarlberg auf gutem Weg, diese Reiswarnung schnell wieder loszuwerden. Bis Donnerstag sank die Inzidenz auf 40. Berechnungsgrundlage dafür sind die Zahlen, die das Gesundheitsministerium jeweils um acht Uhr auf seiner Website veröffentlicht. Gestern ging es schlagartig wieder nach oben – und zwar auf 51, also knapp über den Grenzwert.

Warum die Reisewarnung noch länger bleiben könnte

Bemerkenswert ist die unterschiedliche Entwicklung nach Bezirken: In Bludenz sind nur noch relativ wenige Neuinfektionen erfasst worden. Bregenz entwickelte sich im Landesschnitt. Dornbirn und Feldkirch lagen gestern daneben mit einem Sieben-Tage-Zuwachs von 58 bzw. 70 bestätigten Fällen pro 100.000 Einwohner darüber.

Immerhin: Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sieht in Österreich insgesamt eine „Stabilisierung mit deutlich zu hohen Zahlen“. Auch die staatliche Agentur für Gesundheit- und Ernährungssicherheit (AGES) hat berechnet, dass die sogenannte Reproduktionszahl auf eins gesunken ist. Das bedeutet, dass sich Covid19 bundesweit nicht mehr stärker ausbreitet. Es gibt aber eben unterschiedliche Tendenzen mit zumindest kurzfristigen Zunahmen, wie gerade in Vorarlberg, und Rückgängen, wie in den vergangenen Tagen in Niederösterreich. 

Anschober wies gestern auf einer Pressekonferenz darauf hin, dass sich die Zahl der Neuinfektionen vom Boden- bis zum Neusiedlersee bei 600 bis 800 Fällen täglich eingependelt hat. In den kommenden ein, zwei Monaten gehe es darum, zu einer Halbierung zu gelangen; und zwar auch mit allenfalls nötigen regionalen Verschärfungen: „Wir müssen runter mit diesen Zahlen“, so der Minister. Das sei auch aus wirtschaftlichen Gründen nötig.

Schmerzliches Beispiel: So lange in Vorarlberg die Inzidenz im Bereich des deutschen Grenzwertes von 50 bleibt, besteht kaum Hoffnung, dass die Reisewarnung fällt. Gerade im Hinblick auf die Wintersaison könnte das bedrohlich werden.

In den Nachbarländern entwickelt sich die Pandemie auf vergleichsweise niedrigem Niveau. In den Schweizer Kantonen St. Gallen und Graubünden bleibt die Inzidenz bei steigender Tendenz unter 20, in den deutschen Landkreisen Lindau und Oberallgäu gar unter zehn. Ebenso in Liechtenstein.