Darum könnte der Wahlkampf für Trump gelaufen sein

Politik / 02.10.2020 • 22:00 Uhr
Darum könnte der Wahlkampf für Trump gelaufen sein
Einem Medienbericht zufolge hat der Präsident leichte Symptome. REUTERS

Amtsgeschäfte nun in Quarantäne. Experte Bischof glaubt an einen Wendepunkt.

washington Nachdem sich Donald Trump und First Lady Melania mit dem Coronavirus angesteckt haben, führt der US-Präsident seine Amtsgeschäfte in Quarantäne im Weißen Haus. Bis auf weiteres musste der 74-Jährige alle Wahlkampfauftritte absagen. Viele Beobachter stellen sich nun die Frage, wie es mit der Kampagne des Republikaners weitergeht. Der Leiter des Geschichteinstituts an der University of New Orleans, Günter Bischof (67), glaubt: „Jetzt ist es für Trump in diesem Wahlkampf gelaufen.“ Die Präsidentschaftswahl findet am 3. November statt.

Nach Angaben von Trumps Leibarzt Sean Conley geht es dem Amtsinhaber gut. Stabschef Mark Meadows bestätigte einen Bericht der “New York Times”, wonach er leichte Symptome entwickelt hat. Sollte Trump seine Amtsgeschäfte nicht mehr wahrnehmen können, muss Vizepräsident Mike Pence einspringen.

Events finden nicht statt

Erst am Dienstag hatte sich Trump seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden in einem TV-Duell gestellt und diesen dafür verspottet, dass er Mund-Nasen-Schutz trägt. Für die kommenden Tage plante der 74-Jährige zahlreiche Auftritte, teilweise große Events. Ungeachtet der Pandemie hatten in den letzten Wochen Tausende Menschen an solchen Veranstaltungen teilgenommen. „Trump hat sich über Corona lustig gemacht, ist ohne Maske vor zahlreichen Anhängern aufgetreten, die selbst auch keine Maske trugen und nachweislich zu Spreadern wurden“, meint Bischof, gebürtiger Mellauer und Wissenschaftspreisträger des Landes Vorarlberg. „Dass er nun zwei Wochen zu Hause sitzen muss und dann bis zum Wahltag nur noch zwei Wochen Zeit hat, kann er nicht verkraften.“ Bischof hatte bis vor Kurzem die Befürchtung gehegt, der polternde US-Präsident könnte unmittelbar vor der Wahl noch eine Krise heraufbeschwören und sich dann als starker „Commander in Chief“ in Szene setzen. „Aber das ist nun wohl auch nicht mehr möglich. Zumal man abwarten muss, wie er diese Infektion in seinem Alter übersteht.“

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Günter Bischof ist Leiter des Geschichteinstituts an der University of New Orleans. VN/HartingeR

Beraterin positiv getestet

Am Donnerstag war zunächst bekannt geworden, dass Trumps enge Beraterin Hope Hicks positiv auf das Virus getestet worden war. Sie war in den vergangenen Tagen an der Seite des Präsidenten gereist. Zur TV-Debatte mit Biden kam sie am Dienstag nach Cleveland, am Mittwoch zu einem Wahlkampfauftritt in Minnesota.

Aus aller Welt erreichten den US-Präsidenten Genesungswünsche, unter anderem von Bundeskanzler Sebastian Kurz, EU-Ratspräsident Charles Michel, Russlands Präsident Wladimir Putin und den Premierministern Israels und Großbritanniens, Benjamin Netanjahu und Boris Johnson. Auch Konkurrent Biden wünschte Trump gute Besserung. Er und seine Frau Jill würden „weiterhin für die Gesundheit und Sicherheit des Präsidenten und seiner Familie beten.“ VN-HK, RAM

25. Verfassungszusatz

Die Vertretungsregelung für einen vorübergehend nicht geschäftsfähigen US-Präsidenten wurde erst in den 1960er Jahren formalisiert. Im 25. Zusatz zur US-Verfassung, 1967 von Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnet, ist unter anderem festgehalten, dass die Geschäfte vom Amtsinhaber dem Vizepräsidenten übergeben werden können – für einen bestimmten Zeitraum, oder bis auf Widerruf. Sollte ein Präsident nicht willens oder in der Lage sein, seinen Ausfall selbst zu regeln, können der Vize-Präsident und eine Mehrheit der Kabinettsmitglieder dem Kongress anzeigen, dass der Vize die Amtsgeschäfte übernimmt.