Gastronomen üben herbe Kritik an 22-Uhr-Sperrstunde

Politik / 30.09.2020 • 05:30 Uhr
Gastronomen üben herbe Kritik an 22-Uhr-Sperrstunde
Wegen coronabedingter Sperrstunde um 22 Uhr muss auch im Restaurant Rio in Feldkirch früher Schluss gemacht werden.   VN/SAMS

Neue Coronaregelung sorgt bei Wirtsleuten für Kopfzerbrechen.

Bregenz, Feldkirch, Lech Eine neue Landesverordnung, die seit Mittwoch in Kraft ist, soll landesweit einheitlich sowohl Sperrstunde als auch Bestimmungen für die Durchführung von Veranstaltungen im Land regeln. Die Sperrstundenregel von 22 Uhr gilt auch für Vereinslokale, sagte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (VP). Eine Neuregelung betrifft Veranstaltungen mit zugewiesenen Plätzen. Diese sind in geschlossenen Räumen mit 250 und im Freiluftbereich mit 500 Personen begrenzt.

Geknebelte Eventgastronomie

Eine Bewirtung unter Einhaltung der Covid-Maßnahmen in der Gastronomie ist möglich. Gäste, die in Betrieben übernachten, können künftig auch nach 22 Uhr an der Bar einen Drink zu sich nehmen. Die Maßnahmen sollen nach zwei Wochen evaluiert werden. Wirtsleute im Land üben zum Teil harte Kritik an den Regeln und erhalten dabei Schützenhilfe vom ÖGB-Landesvorsitzenden Reinhard Stemmer: „Die Sperrstunde ab 22 Uhr ist undurchdacht und für viele Betriebe ein Sargnagel.“ Es gehe um das Überleben der Gastrobetriebe und Hunderte Arbeitsplätze, warnt Stemmer.

„Von den Entscheidungsträgern wird nicht differenziert. Die Gastronomie braucht Hilfe. Lokale mit fix zugewiesenen Sitzplätzen sollten bis mindestens 23 wenn nicht 24 Uhr geöffnet haben dürfen. Das Infektionsrisiko ist sehr gering, Gäste haben um diese Zeit kaum das Bedürfnis, nach dem Essen weiter zusammenzusitzen“, meint Denise Amann vom Restaurant Mizzitant in Frastanz. „Somit wäre diese Gastronomie bestimmt langfristig weniger auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Das wiederum schafft finanzielle Ressourcen für Nachtbetriebe, die bis 22 oder auch bis 1 Uhr zu wenig Umsatz machen oder für die Eventgastronomie, die im Moment ebenso geknebelt ist.“ Andrea Kinz, Gastronomin in Bregenz, spricht wörtlich von einer traurigen Situation. „Manche Gäste gehen gleich wieder, andere kommen wegen dieser verfrühten Sperrstunde erst gar nicht. Mit einer Sperrstunde um 23 Uhr könnte ich leben.“ Auch sie befürchtet, dass die Menschen die Freude am Ausgehen verlieren, bedauert Kinz. Die verfrühte Sperrstunde und fehlende Gäste aus dem benachbarten Deutschland, wo Vorarlberg bekanntlich als Coronarisikogebiet gilt, würden sich täglich mit einem Umsatzminus von bis zu 30 Prozent zu Buche schlagen.

„Konkurswelle ist unabwendbar“

Für Reinhard Rauch, Betreiber des Kino-Restaurants Rio in Feldkirch, stellt das Ganze eine Katastrophe dar. „Es sind schwierige Zeiten. Viele Gäste feiern Zuhause oder setzen sich ins Auto und gehen in Liechtenstein oder der Schweiz aus, wo es keine strengen Regeln gibt.“ Rauch, der rund 40 Mitarbeiter beschäftigt, beklagt gar ein Umsatzminus von bis zu 40 Prozent. Auch In Lech sehen Hoteliers und Wirte düstere Zeiten vor sich. Johannes Pfefferkorn, Betreiber des Hotels Krone, übt vor allem an der Wirtschaftskammer Kritik. Sie müsse Schluss machen mit ihrem Lob für die Bundesregierung und ihre Politik bei ihren Mitgliedern vertreten. „Sie sollte ihre ursprüngliche Aufgabe wahrnehmen, die da lautet: Interessen der Mitglieder zu hören und zu vertreten. Nach sechs Monaten Corona gibt es keinerlei Fortschritte für Unternehmen, Betriebe bleiben geschlossen, eine Konkurswelle ist unabwendbar.“