Das war die Wahldebatte um das Bürgermeisteramt in Hard

Seeufer und Finanzen spielten wichtige Rolle im Duell um die Bodenseegemeinde.
hard Bekommt Hard mit Martin Staudinger bald einen sozialdemokratischen Bürgermeister? Kann er seinen Vorsprung aus dem ersten Wahlgang verteidigen? Oder bleibt Eva Maria Mair von der ÖVP Gemeindechefin? Bei der Stichwahl zeichnet sich ein knappes Duell ab. Im Vorfeld haben VN.at, VOL.at und Ländle TV zur Diskussion ins Wahlstudio eingeladen.
Frau Mair, hat die ÖVP nach zwei Volksabstimmungen rund um den Loop und die Hafenneugestaltung gelernt, dass die Harder keine Veränderung am Seeufer wollen?
Mair: Die letzte Volksabstimmung hat gezeigt, dass die Bevölkerung den Durchstich klar ablehnt. Das Projekt ist kein Thema mehr. Generell glaube ich aber nicht, dass die Harder keine Veränderung wollen. Das ist sehr wohl beim Strandbad, beim Platz mit den Abstellanlagen für die Fahrräder, dem Thaler-Areal der Fall. Allerdings muss man die Menschen früher einbeziehen. Das haben alle gelernt.
Beim Strandbad spricht man seit über 20 Jahren von Sanierung. Warum tut sich nichts?
Mair: Das Strandbad ist schon lange ein Thema. Dafür sind andere Projekte vorgezogen worden, eine Radbrücke, wir sind auch am zweigleisigen Ausbau der ÖBB mit Bahnhof dran. Für die gestalterische Veränderung des Strandbades gibt es ein Gremium. Wie sie im Endeffekt ausschaut, wissen wir noch nicht. Ich glaube, dass das nun so schnell wie möglich angegangen wird.
Herr Staudinger, wurde zu lange geschlafen?
Staudinger: Das Thema Strandbadsanierung begann 1999 mit dem richtigen Kauf des Thaler-Areals. In Verbindung mit dem Strandbad sollte dort etwas Neues entstehen. Das ist 21 Jahre her. Schlafen wäre billiger gewesen. Die ÖVP hat in der Zeit ein paar Mal probiert, die Hohentwiel ins Binnenbecken einfahren zu lassen. Das wurde klar abgelehnt. Gleichzeitig haben sehr wohl Planungen stattgefunden, 2014 gab es einen Strandbad-Wettbewerb. Man hat Architekten eingeladen, ein Gremium einberufen und ein Siegerprojekt gekürt. Letztes Jahr gab es die Vision Hafen, das Leitbild. Man hat Hunderttausende Euro für Planungen ausgegeben, die so groß waren, dass sie nicht finanzierbar sind.
Sie haben das Thaler-Areal in Ihr Konzept hineingebracht. Wie realistisch ist das?
Staudinger: Zuerst brauchen wir die Bereitschaft aller Parteien. Dann schauen wir uns die Ideen von 2014 an, und was budgetär möglich ist. Zudem müssen die Menschen eingebunden werden. Im Unterschied zur Vorgangsweise der ÖVP mit internationalen Architekten möchte ich Harder Handwerksbetriebe einladen und eine Harder Lösung suchen.
Frau Mair, was können Sie den Bürgern versprechen?
Mair: Zum Binnenbecken: Die Hohentwiel-Schifffahrtsgesellschaft ging auf die Gemeinde zu, das ging nicht von der Gemeinde aus. Was das Strandbad angeht, sprechen mich viele Bürger an. Sie wünschen sich eine Sanierung der Sanitäranlagen, zum Teil sollen die Seezugänge besser gemacht werden. Sie wollen keine große Veränderung, kein riesiges Gebäude. Was im Strandbad-Ausschuss herauskommt, werden wir uns genau anschauen, und mit Bürgerbeteiligung erarbeiten. Es ist auch ganz wichtig, die Folgekosten mitzudenken. Je größer, je mehr Aufwand und Personal, desto mehr Folgekosten. Die Ausschreibung muss international sein. Handwerker aus Hard beziehen wir bei jedem Projekt ein.
Wie alarmierend ist die finanzielle Situation?
Mair: Wir wissen um die angespannte Situation. Aber ich will festhalten: Wir haben in den letzten Jahren sehr viel investiert, zwei Schulen sind komplett neu, eine wurde generalsaniert. Wir haben Kleinkindbetreuungsplätze geschaffen. Dazu kommt eine Trinkwasserpumpe, die Radbrücke, der Bahnausbau. Es sind Grundstücke gekauft worden, die für die strategische Weiterentwicklung ganz wichtig sind. Natürlich kostet das. Wir müssen nun einen Schritt zurückgehen.
Staudinger: Es gibt beim Budget zwei Dimensionen. Das eine sind die Investitionen. Das andere sind die laufenden Einnahmen und Ausgaben. In Hard sind die laufenden Ausgaben immer mehr gestiegen als die laufenden Einnahmen. Das ging auseinander. Wenn ich jedes Jahr mehr ausgebe, kann ich irgendwann meine Kreditraten nicht mehr bedienen. Das muss sich ändern.
Herr Staudinger, würden Sie unter Frau Mair den Vizebürgermeister machen?
Staudinger: Sollten sich die Harder dafür entscheiden, dann ja.
Treten Sie als SPÖ-Landeschef zurück, wenn Sie Bürgermeister werden?
Staudinger: Wenn die Harder mich als Bürgermeister wollen, dann bin ich hundertprozentig in Hard.
Frau Mair, würden Sie unter Herrn Staudinger Vizebürgermeisterin werden?
Mair: Werde ich nicht im Amt bestätigt, ziehe ich mich aus der Politik zurück.
“Die beiden liegen nicht so weit auseinander”
Schwarzach “Was für ein Unterschied zu Bregenz”, sagt der VN-Kommentator Wolfgang Burtscher bei der Analyse des Duells um Hard. Während sich im Schlagabtausch von Markus Linhart (ÖVP) und Michael Ritsch (SPÖ) zwei erfahrene Politprofis gegenüberstanden, gälten Eva Maria Mair (ÖVP) und Martin Staudinger (SPÖ) als unverbrauchte Politiker. Es sei viel konzilianter zugegangen. “Die beiden liegen gar nicht so weit auseinander, auch stimmenmäßig.” Es zeichne sich ein spannender Wahlausgang ab. Dem stimmt der Journalist Moritz Moser zu. Er bezweifelt aber, dass Staudinger Schwung aus der Landespolitik mitnehmen könne. “Seine Persönlichkeit zieht, deshalb ist er in die Stichwahl eingezogen.” Für Burtscher war trotz der sachlichen Debatte auffällig, dass Mair sich im Unterschied zu vergangenen Debatten doch mehr aus der Defensive herausgewagt habe. Sie habe versucht, Staudinger mit Gegenargumenten zu kontern. “Da war sie auf keinem schlechten Weg.” Moser verweist darauf, dass die Bürgermeisterin ein schwieriges Los habe. Nach dem Abgang von Harald Köhlmeier (ÖVP) sei sie in die erste Reihe geschoben worden. Zudem werde sie als Frau auch anders beurteilt. In diesem Zusammenhang kritisiert Burtscher, dass es in Vorarlberg überhaupt nur sehr wenige Frauen in der Kommunalpolitik gebe. “Das gibt mir zu denken.”
