Hoffen auf erste Impfungen ab Jänner

Politik / 02.09.2020 • 08:00 Uhr
Hoffen auf erste Impfungen ab Jänner
Könnten in Österreich schon Anfang des Jahres erste Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden? Anschober hält es für möglich. REUTERS

Gesundheitsminister legt aufsehenerregende Prognose zur Impfstoffentwicklung vor.

Wien, Bregenz Impfungen gegen das Coronavirus könnten in Österreich schon ab Jänner stattfinden. Diese Prognose gab Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Dienstag ab. Als Voraussetzung gelte, dass die Zusagen der Impfstoffproduzenten halten und rechtzeitig Marktzulassungen erteilt würden, sagte der Ressortchef. Dann könnte Österreich bis zum Jahreswechsel 600.000 Impfdosen für 300.000 Menschen bekommen. „Es schaut derzeit ganz gut aus.“ Zuerst würden Mitarbeiter im Gesundheitsbereich und in der Pflege geimpft.

Gemeinsame Verhandlungen

Österreich ist nicht im Alleingang unterwegs. Die EU-Kommission verhandelt derzeit für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mit den Impfstoffherstellern über Vorverträge. Es werden Liefermengen reserviert, die dann je nach Bevölkerungsschlüssel und Bedarf aufgeteilt werden sollen. Mit AstraZeneca gibt es bereits einen Abschluss über 300 Millionen Dosen, plus hundert Millionen optional. Der Pharmakonzern entwickelt gemeinsam mit der Universität Oxford einen vielversprechenden Impfstoff. Er befindet sich derzeit in der entscheidenden dritten Testphase.

Was den Bevölkerungsanteil in der EU angeht, kommt Österreich auf zwei Prozent. Sollte sich der Impfstoff von AstraZeneca als wirksam und verträglich erweisen und von der Europäischen Arzneimittelagentur eine Zulassung erhalten, wäre dann die Lieferung von rund sechs Millionen Dosen fix. Neben AstraZeneca verhandelt die EU derzeit aber noch mit weiteren Unternehmen, darunter Sanofi und GSK, Johnson&Johnson, Curevac und Moderna. Ein möglichst breites Portfolio dient dazu, das Risiko zu minimieren, sollte es bei einem der Impfstoffproduzenten zu Problemen kommen.

Die gemeinsame Beschaffung hat dem Gesundheitsministerium zufolge den Vorteil, dass das Risiko von der gesamten EU getragen wird, und nicht von den einzelnen Staaten. „Es ist uns gelungen, dass die Versorgung der Europäer mit Corona-Impfstoffen ein europäisches Projekt wird“, erklärte Anschober. Das sei insbesondere für kleine Länder wie Österreich wichtig.

Mehrere Parameter wichtig

Der Gesundheitsexperte Armin Fidler vom Management Center Innsbruck will sich noch auf keine Prognose einlassen, ab wann ein flächendeckender Impfstoff in Österreich realistisch wäre. Er verweist auf mehrere Parameter. „Eine Zulassung bedeutet nicht, dass die Impfung dann auch tatsächlich im notwendigen Ausmaß für die ganze Bevölkerung vorhanden ist.“ Es hänge vom jeweiligen Impfstoff ab, wie hoch der Produktions- und Kostenaufwand ausfalle und wie viele Impfdosen notwendig sind. „Es könnte durchaus möglich sein, dass ältere Personen öfters geimpft werden müssen. Solche Fragen werden in der dritten Testphase erforscht. Allerdings hat noch kein Impfstoffkandidat diese Phase abgeschlossen“, sagt Fidler.

Der Mediziner verweist auch auf die Impfbereitschaft als große Unbekannte. Sowohl der Gesundheitsminister als auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) haben ausgeschlossen, dass es eine verpflichtende Impfung geben wird. Fidler zufolge müssen sich aber an die 60 Prozent impfen lassen, um Covid19 in den Griff zu bekommen. „In einem Land, in dem sich weniger als zehn Prozent gegen die Grippe impfen lassen, kann ich mir das aber bei allem Optimismus nur sehr schlecht vorstellen.“